Nettetal: Planen für die Zeit nach Hertie
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 27.05.2009Nettetal (RPO). Der Schock über die angekündigte Schließung von Hertie in Lobberich sitzt bei Belegschaft und Kunden nach wie vor tief. Doch die Innenstadt hat auch ohne das Warenhaus Zukunft. Stadt und Einzelhändler zeigen sich zuversichtlich.
Oberflächlich betrachtet, geht bei Hertie in Lobberich der Warenhausbetrieb weiter, als wäre eine Schließung nie verkündet worden. Doch für die 20 Mitarbeiter ist seit einer Woche nichts mehr so, wie es einmal war. "Hier sind alle nach wie vor sehr bedrückt", sagt Filialleiterin Marion Schmeer über die Stimmung im Haus.
Da hilft auch der Zuspruch der Kundschaft wenig. "Sehr viele Menschen haben uns ihr Bedauern über die Schließung ausgesprochen", sagt Schmeer. Bei den Kunden habe sie "Entsetzen und Trauer" beobachtet. Und viele hatten ein ganz dringendes Anliegen: "Was machen wir, wenn es Hertie nicht mehr gibt? Wo kaufen wir dann ein?" Eine Antwort darauf haben die Warenhausmitarbeiter nicht. "Was sollen wir da sagen?", sagt die Filialleiterin und klingt ratlos.
Das Hertie-Ende
Auftakt Karstadt gliedert 2005 seine kleineren und mittleren Filialen aus. Die 78 Häuser werden an den britischen Finanzinvestor Dawnay Day verkauft. Aus Karstadt wird Karstadt kompakt, dann Hertie. Einige Häuser finden Käufer. Das Nettetaler Warenhaus zählt nicht dazu.
Krise Juli 2007 meldet Hertie Insolvenz an. Als Grund werden zu hohe Mieten angegeben.
Ende Vor exakt einer Woche beschließt die Gläubigerversammlung, die verbliebenen 54 Warenhäuser, darunter auch das Nettetaler Haus, zu schließen.
Schade, aber nicht bedrohlich
Auf die Zeit nach Hertie stellen sich derweil Einzelhändler und Stadt ein. "Wir sind nicht erfreut, keine Frage", sagt Norbert Backes, Vorsitzender des Werberings Lobberich, über das Ende für Hertie. Gemeinsam mit der Stadt arbeiten die Einzelhändler bereits an einem Konzept für Lobberichs City nach Hertie. "Das Aus ist schade, aber nicht bedrohlich", lautet Backes' Einschätzung für die Innenstadtentwicklung. Positiv sei, dass sich die Innenstadt gerade ohnehin in einer Phase der Umstrukturierung befinde. Von der Nähe zum entstehenden Einkaufszentrum werde der Hertie-Nachfolger profitieren. Außer Diskussion stehe, dass Lobberich einen neuen "Publikumsmagneten" benötige. Doch das brauche nicht zwangsläufig ein neues Kaufhaus sein. Voraussetzung sei, dass die Ausrichtung zu der neuen Planung für Lobberich und in die Struktur der Innenstadt passe. "Im Non-Food-Bereich besteht Bedarf", sagt Backes. Die Stadt hat inzwischen erneut den Kontakt mit den an der Immobilie interessierten Investoren gesucht. Die Gespräche laufen, bestätigt Stadtpressesprecher Christoph Kamps. "Wir sind in Lobberich aber auch davon abhängig, wie die allgemeine Entwicklung innerhalb der Hertie-Kette weitergeht", sagt er. Die Sorge, dass das Warenhausgebäude nach Herties Aus zum Dauerleerstand werden könnte, habe die Stadt durchaus. "Wir sind aber zuversichtlich, dass dies nicht passieren wird, weil der Standort gut ist", so Kamps.
Ein neuer Magnet ist notwendig
Die Stadt stimmt mit der Einschätzung des Werberings überein: "Hertie ist ein Magnet. So etwas brauchen wir wieder." Ideal wäre es, wenn die Größe und Warenvielfalt des Hauses erhalten bliebe. "Wir können uns aber auch kleinteiligere Lösungen vorstellen." Diverse kleine Shops mit unterschiedlichen Angeboten, die insgesamt den Bedarf an Waren abdecken, wären eine gute Alternative.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


