Nettetal: Polizei weitet Suche aus
VON CHRISTIAN HEIDRICH - zuletzt aktualisiert: 09.09.2010Nettetal (RPO). In südwestlicher Richtung der Wankumer Heide wird die Polizei heute die Suche nach dem vermissten Marco ausweiten. Ein Opferschutz-Experte ruft zur Zurückhaltung bei Kommentaren in der Öffentlichkeit auf.
Kreis Viersen Wahrscheinlich wieder mit rund 1000 Einsatzkräften wird die Polizei heute morgen in Grefrath anrücken, um die Suche nach dem zehnjährigen Mirco fortzusetzen. Die Suche werde wahrscheinlich von der Wankumer Heide in südwestlicher Richtung bis zur der B 221 ausgeweitet, teilte gestern Abend ein Polizeisprecher mit.
Mit Plakaten und Handzetteln bittet die Polizei Zeugen, die im Zusammenhang mit dem Verschwinden des zehnjährigen Mirco am Freitag Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden. Das Plakat zeigt ein Foto des Jungen und sein Fahrrad, ein grünes Mountainbike. Hinweise können auch direkt beim Polizeiposten in Grefrath, Deversdonk 7, gegeben werden. Er ist täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet.
Bürger wollen helfen
Hinweise Die Polizei hat im Fall des vermissten Mirco mittlerweile 200 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten
Suche Die Polizei suchte zu Fuß, aus der Luft und mit Booten, unter anderem auf der Blauen Lagune zwischen Leuth und Straelen, einem beliebten Badesee
Wetter Der starke Regen erschwert die Suche zudem. Auch das Finden von Spuren wird dadurch schwieriger
Kleidungsstücke gefunden
Eine weitere heiße Spur zu Mirco fanden 1000 Polizisten, die auch gestern die Wankumer Heide südlich von Wachtendonk durchkämmten, nicht. Zwar entdeckten sie wieder Gegenstände, aber für diese gilt das Gleiche wie für die Bekleidungsstücke, die Dienstagabend an der Hinsbecker Straße zwischen Grefrath und Hinsbeck entdeckt worden waren. Erst noch weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob sie im Zusammenhang mit dem Verschwinden Mircos stünden, sagte ein Polizeisprecher.
Er berichtete weiter, dass der Erkennungsdienst der Polizei an 25 Stellen im Einsatz gewesen sei, um Spuren zu sichern. Die 45-köpfige Ermittlungskommission ging einzelnen Hinweisen aus der Bevölkerung nach.
Die Eltern des gesuchten Kindes werden von Opferschützern der Polizei betreut. Der Opferschutz macht sich Erkenntnisse der Viktimologie zu Nutze. Das ist die Wissenschaft, die sich mit den Folgen von Verbrechen für die Opfer befasst. Professor Dr. Peter Schäfer, Dekan des Mönchengladbacher Fachbereichs Sozialwesen der Hochschule Niederrhein, befasst sich mit Viktimologie. Die Eltern von Mirco und seine Familie empfänden nun größte Hilflosigkeit, sowie alle Momente der Trauer bis zu Zorn und Selbstvorwürfen, so der Wissenschaftler. Nichts machen zu können und zuwarten zu müssen, wie in diesem Falle, setze den Opfern schwer zu.
Die Öffentlichkeit ruft Schäfer in solchen Fällen zur Zurückhaltung auf. Die Lage der Opfer, die eine solche Situation durchmachten, werde noch zusätzlich durch einzelne Kommentare, etwa aus Internetforen und Medien, belastet, sagt Schäfer. Sie erschwerten auch die Arbeit der Opferschützer. "Das erste Gebot für sie ist in so einer Situation Zuhören, und das zweite ist: Verständnis. Opfer tragen keine Schuld", sagt der Experte. Durch gute Betreuung und Zuwendung sei es möglich, dass Opfer diese Situation überwinden könnten.
Die Hochschule Niederrhein gehört einem internationalen Netzwerk an, in dem sich regelmäßig Experten der Viktimologie treffen. Professor Schäfer vertritt die Hochschule in diesem Netzwerk.
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