Nettetal: Postbote aus Leidenschaft
VON CHRISTINA WAGEMANNS - zuletzt aktualisiert: 27.10.2010Nettetal (RPO). Andre Wüsten trägt seit 13 Jahren die Briefe im Bezirk sieben rund um den Caudebec-Ring und die Fasanenstraße aus. Er genießt dabei die frische Luft und seine Unabhängigkeit. Extrawünsche seiner Kunden lehnt er selten ab.
Für seine Familie war es keine große Überraschung, dass Andre Wüsten Postbote werden wollte.. Vater und Großvater haben ebenfalls Briefe zugestellt. Dies scheint in den Genen zu stecken. Zwar träumte der 37-Jährige in seiner Jugend davon, für einen Spieleverlag neue Brettspiele zu erfinden, die er selbst mit großer Leidenschaft spielt, doch auf Anhieb fand sich kein Verlag. Das ist gut so.
Denn die Kunden, die der Schaager jedem Morgen auf seiner Runde besucht, sind sehr zufrieden mit ihm. Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Postboten des Jahres. Diesen Titel konnte Andre Wüsten zwar noch nicht für sich gewinnen, doch ein Traum wäre es für den leidenschaftlichen Kegler des Kegelvereins "Höötten Töötten". "Man versucht täglich sein Bestes zu geben", sagt Wüsten schüchtern. Für den Zustellbereich Viersen wurde jetzt Hubert Jörissen aus Birgelen zum Postboten des Jahres gewählt. In puncto Kundenzufriedenheit, Pünktlichkeit, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit stimmte die Mehrzahl seiner rund 300 Kollegen für den Wassenberger.
Anspruchsvoll
Sportlich Zusteller leisten anstrengende Arbeit: Etwa 40 Kilo wiegen die Postfahrräder, die Tasche mit den Briefen nochmals rund 50 Kilo.
Studenten "Wer das unterschätzt, fällt auf die Nase", erzählt Andre Wüsten schmunzelnd. "Das passiert hin und wieder Studenten, die in den Semesterferien aushelfen." Ehe sie sich versehen, kippt das Fahrrad um und die Briefe verteilen sich auf dem Gehweg.
Freiwillige Botengänge
Doch pünktlich und freundlich zu sein, reicht nicht allein, man sollte immer ein offenes Ohr für seine Kunden haben. "Viele erzählen mir private Dinge", sagt der 37-Jährige. "Im Laufe der Zeit lernt man einige Kunden kennen." Seit über 13 Jahren bringt der Schaager zuverlässig im Bezirk sieben rund um den Caudebec-Ring und die Fasanenstraße 1165 Haushalten die Post. Extrawünsche lehnt der Postbote selten ab. Auf seiner Route liegt auch ein Altenheim. "Dort leben viele Kunden, die nicht gut zu Fuß sind", erzählt Wüsten. "Deshalb bringe ich nicht nur jeden Tag die Post, sondern nehme Briefe mit." Das ist keinesfalls selbstverständlich. "Die Leistung gehört nicht zur eigentlichen Arbeit eines Zustellers – es ist ungewöhnlich", sagt Postsprecher Achim Gahr anerkennend.
Ein Training im Fitnessstudio benötigt der Andre Wüsten auch nicht. Egal ob es regnet, windet oder schneit, der 37-Jährige strampelt tapfer in vier bis fünf Stunden seine Runde. Das härtet ab. "Kälte macht mir nichts aus", sagt Wüsten. "Viel schlimmer ist der Regen. Ich versuche zwar immer die Briefe trocken zu halten, aber das ist nicht einfach." Doch Wüsten weiß die Natur zu schätzen: "Das Schönste an meinem Beruf ist die relative Unabhängigkeit da draußen an der frischen Luft."
Trotz des immensen Einflusses des Internets, besonders des E-Mail-Verkehrs, häufen sich Briefe auf Andre Wüstens Fahrrad. "Es werden zwar wesentlich weniger private Briefe mit der Post geschickt", berichtet Wüsten. "Dafür haben Postwurfsendungen und Infopost enorm zugenommen." Samstags muss Wüsten bis zu fünfmal zurück in die Poststelle fahren, um weitere Werbebroschüren zu holen. Und dann schwingt er sich erneut auf sein Rad und fährt seine Runde durch Nettetal – stets freundlich und zuverlässig, gleichgültig bei welchem Wetter.
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