Nettetal: Rattenjäger im Kanal
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.08.2008Nettetal (RPO). Der Nettebetrieb ist seit Jahresbeginn verantwortlich für die Rattenbekämpfung in der Kanalisation. Leider sorgen Bürger selbst dafür, dass die Jagd vergeblich ist: Gegen durch die Toilette abgespülte Menüs sind Köder chancenlos.
Harald Winken ließ gerade den Haken mitsamt Köder in die Tiefe gleiten, als zu seinen Füßen „ein griechischer Salat mit allem Drum und Dran vorbei schwamm“. Seufzend holte er den Köder wieder herauf. Gegen diese herzhafte Konkurrenz hatte der Rattenbekämpfer im Nettebetrieb keine Chance.
Seit Beginn des Jahres ist der Nettebetrieb selbst verantwortlich für die Rattenbekämpfung im städtischen Kanalisationssystem. „Wir machen das nur unterirdisch, oberirdisch ist das Ordnungsamt zuständig. Es beauftragt bei entsprechenden Meldungen durch Bürger ein Kempener Fachunternehmen“, erklärt Heinrich Striebeck vom Nettebetrieb.
Gegen Ratten
Gift 100 oder 200 Gramm schwer ist das Spezialgift, dass der Nettebetrieb so einsetzt, dass andere Tiere nicht gefährdet sind.
Wirkung Frisst die Ratte das Gift, ändert es das Erbgut und das Blut gerinnt – das Tier verblutet innerlich.
Meldung Das Auftreten von Ratten sollte unverzüglich dem Ordnungsamt der Stadt Nettetal gemeldet werden.
Zwei Mitarbeiter hat der Nettebetrieb eingehend schulen lassen, am Ende stand eine Abschlussprüfung an. Der sachgerechte Umgang mit Gift und das Wissen über Verhaltensweisen von Wanderratten („Kanalratten gibt’s nicht“, Striebeck) sind nicht zwischen Tür und Angel zu vermitteln. Der Kampf gegen die Ratten ist dennoch ein Kampf gegen Windmühlenflügel – und die Unvernunft von Bürgern.
1200 Nachkommen pro Jahr
„Ein Rattenpaar kann 1200 Nachkommen in einem Jahr erzeugen“, berichtet Striebeck. Dazu tragen dann sorglose Menschen bei, die überschüssiges Essen durch die Toilette in den Kanal spülen. „Da schwimmen ganze Nudelgerichte an einem vorbei“, wundert sich Winkel. Auch gekochtes Essen auf dem Kompost lockt die Nager an.
Meldet ein Bürger, er habe im Kanal oder in seinem Umfeld Ratten entdeckt, legen Winkel und ein weiterer Kollege Giftköder aus. „Ratten sind hoch intelligente Tiere. Man kann sie nicht einfach vergiften, weil eine Sippe sofort verschwindet, wenn ein Tier qualvoll stirbt“, berichtet Striebeck. Darum wurden Giftköder entwickelt, die langsam wirken und nicht nur ein einzelnes Tier zur Strecke bringen. Das setzt aber voraus, dass die Ratten den einmal entdeckten und durch raffinierte Zusätze auch schmackhaft gemachten Köder mehrmals anbeißen. Der Nettebetrieb kennzeichnet Kanalabschnitte, in die er Köder eingebracht hat, und kontrolliert sie mehrfach. Ist er verzehrt, war die Jagd erfolgreich.
Ratten werden häufig in der Umgebung von Schulen entdeckt. „Kinder werfen Essensreste weg, und schon kommen die Ratten. Das gilt auch für das Umfeld von Kleintierbetrieben – auch das Kaninchen im Stall kann Ratten anziehen, weil Fressreste übrig bleiben“, berichtet Striebeck. Und manche Tierliebe geht in die falsche Richtung: Futterstellen für Vögel und Katzen sollten immer peinlich genau gesäubert werden.
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