Nettetal: Schrauben als Schnäppchen
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 30.12.2010Nettetal (RPO). Das Bestattungshaus Helgers schließt zum 31. Dezember seinen Heimwerkerbedarf.Die Reste sind bis dahin zu kleinen Preisen zu haben. Künftig sollen Särge den Verkaufsraum füllen.
In den Regalen stapeln sich Kisten mit Schrauben und Mutter, Schlüsseln und Schlössern, Haken und Ösen. Die Kunden bekommen auf Wunsch auch jeden Nagel und jeden Dübel einzeln kaufen. "Wenn die Leute ein Bild an die Wand hängen wollen, kommen sie hierher und besorgen sich die passende Schraube. Sie wollen nicht im Baumarkt 100 Stück kaufen", berichtet Hanno Helgers. Seinen Kunden wird künftig allerdings nichts anderes übrig bleiben, denn der Juniorchef des Lobbericher Bestattungshauses schließt den Heimwerkerbedarf zum 31. Dezember.
Bis dahin sind die Reste noch zum Schnäppchenpreis zu haben. "Viele sind noch extra hergekommen, um sich einen Vorrat anzulegen. Besonders die Landwirte, die spezielle Schrauben brauchen." Die meisten Kunden bedauerten den Ausverkauf. Ihnen wird künftig vor allem die ausführliche Beratung fehlen. "Wenn jemand noch nie eine Bohrmaschine in der Hand gehabt hat, hat er bei uns eine Einweisung bekommen und das Gerät zu Hause ausprobiert."
Die Möbelpolitur
Ein Artikel bleibt aber auch weiter im Sortiment des Bestattungshaueses: die Möbelpolitur. "Sie ist unser Dauerbrenner. Dafür kommen die Leute sogar aus Mönchengladbach angefahren", betont Hanno Helgers.
Die Flaschen mit dem Wundermittel stehen nach dem 31. Dezember allerdings in einem anderen Regal. Denn im neuen Jahr beginnt der Umbau des Bestattungsunternehmens.
Gesundheitliche Gründe
Schrauben und Nägel konnten die Kunden zur Anprobe mitnehmen und unpassende Größen zurück bringen. "Auf diesen Service hat mein Großvater Wert gelegt", betont Hanno Helgers. "Er kennt sich handwerklich bestens aus und konnte fast jede Frage beantworten." Er hatte das Geschäft vor 40 Jahren als Ableger seiner Schreinerei hinter dem Haus gegründet und die vergangenen Jahre zwischen Bohrern und Beschlägen verbracht. Inzwischen ist der 84-Jährige jedoch gesundheitlich nicht mehr in der Lage, den Laden zu führen. Sein Enkel hat darauf gedrängt, die Räume für den Ausbau des Bestattungsinstitutes nutzen zu dürfen.
"Es ist meinem Großvater schon spürbar schwer gefallen, das aufzugeben. Es war eine Entscheidung zwischen den drei Generationen und wir haben sie überlegt getroffen", sagt Hanno Helgers. Er hofft, mit seinen Plänen langfristig auch die letzten Zweifel seines Großvaters zerstreuen zu können. "Schließlich mussten wir vor 25 Jahren bereits die Schreinerei ins Industriegebiet auslagern."
Ihren Platz haben längst Trauerräume und eine kleine Kapelle eingenommen. Den gestiegenen Ansprüchen seiner Kunden hofft Hanno Helgers mit der erneuten Erweiterung des Betriebes gerecht werden zu können. "Unser Beruf ist nicht mehr der eines Handwerkers. Wir schreinern nicht mehr nur den Sarg, sondern kümmern und auch um den Ablauf der Beerdigung."
Wo sich zurzeit noch Schrauben und Nägel stapeln, sollen künftig Särge stehen. Hanno Helgers möchte die Ausstellungsfläche vergrößern und den übrigen Platz als Büroraum nutzen. Für alle Dübel und Muttern, die trotz Ausverkauf liegen bleiben, hat er schon einen Abnehmer.
Bevor die letzte Schraube den Landen verlässt, hat sich Hanno Helgers aber noch einen kleinen Vorrat angelegt.
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