Nettetal: Schüler klären Model-Mord auf
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 13.02.2010Nettetal (RPO). Warum musste Larissa von Glumm sterben? Die Neuntklässler des Werner-Jaeger-Gymnasiums ermittelten im Rahmen ihres Kriminal-Projekts "Dem Täter auf der Spur" im Model-Milieu. Alle Detektiv-Gruppen lösten den Fall.
Bei einer Modenschau wird das Model Larissa von Glumm in ihrer Garderobe tot aufgefunden. Außer ein paar Kratzern weist der Körper der Laufsteg-Schönheit keine Spuren von Gewalt auf. Die Ermittler weisen in ihrem Sektglas Spuren eines Medikaments nach, das normalerweise hyperaktiven Kindern verabreicht wird – bei Erwachsenen kann es zu Wahrnehmungsstörungen führen. Bei Larissa von Glumm jedoch, die seit ihrer Kindheit ein schwaches Herz hatte, wirkte es tödlich. Doch wer steckt hinter dem Tod des Models?
Diesen Kriminalfall haben sich die Deutsch-, Biologie- und Kunstlehrer des Werner-Jaeger-Gymnasiums (WJG) für das fächerübergreifende Projekt "Dem Täter auf der Spur" ausgedacht. "Wir suchen uns immer einen Bereich, der für die Schüler interessant ist", sagt Lehrerin Angelika Erdorf, die das Schülerprojekt koordinierte – und die Modelwelt gehört definitiv seit Sendungen wie "Germany's Next Topmodel" dazu. Nicht zuletzt erinnert der Name der Ermordeten entfernt an die Moderatorin der Casting-Show – doch Angelika Erdorf lächelt bei der Frage nach dieser Ähnlichkeit nur verschmitzt.
Das Projekt
Seit wann? Zum 7. Mal haben die neunten Klassen des Werner-Jaeger-Gymnasiums das Krimi-Projekt durchgeführt. Die
Warum? Durch die fächerübergreifende Arbeit zwischen Biologie, Deutsch und Kunst werden verschiedene Fähigkeiten gefördert. Die Neuntklässler haben gerade am Projekt "Zeitung in der Schule" teilgenommen und können ihre Kenntnisse so noch weiter anwenden und vertiefen.
Fußabdrücke mit Gips ausgießen
Eine Woche lang schlüpften die 90 Neuntklässler des WJG in die Rollen von Detektiven, Kriminalbiologen, Journalisten und Schauspielern. Drei Tage hatten sie Zeit, um den Tatort zu sichten, Spuren zu analysieren, Fußabdrücke mit Gips auszugießen, Blut zu untersuchen, Zeugen zu befragen und den Fall in ihren selbsterstellten Zeitungen jeden Tag zu dokumentieren – bis die Lösung schließlich gefunden war. "Alle Gruppen sind dem Täter auf die Spur gekommen, manche etwas schneller als andere, und mit kleinen Unterschieden in den Details", berichtet Erdorf. Es sei eigentlich gar kein richtiger Mord gewesen, mehr ein unglückliches Zusammenspiel: Eine Kundin des Modedesigners Charles Flanell, für den Larissa regelmäßig modelte, war von ihm hereingelegt worden. Statt eines Unikats hatte die Chemikerin Dr. Maria Gehrhardt dasselbe Kleid bekommen, wie die Frau ihres Chefs. In Rage streute sie dem Designer das Mittel ins Glas, der es jedoch, ohne um die Gefahr zu wissen, an sein Model weiterreichte.
Ihre Versionen des Falls bearbeiteten die drei Neunerklassen in unterschiedlichen Formen für die Bühne – als Gerichtsverhandlung, als Video-Dokumentation und als Theaterstück. "Jede Klasse musste einen grauen Umschlag ziehen, in dem die Form der literarischen Bearbeitung vorgegeben war", erzählt ihre Lehrerin. Sie haben die Aufgabe – "trotz Altweiber" – toll gelöst und sogar die Karnevalszeit in ihre Inszenierungen eingebaut. Zum Beispiel spielten die Schüler der 9a zur Vernehmung der Zeugen Karnevalslieder ein. Aber was passt da auch besser als: "Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin..."
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