Nettetal: Sieger und Verlierer
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2010Nettetal (RPO). Das Sportförderkonzept der Stadt schreibt die Ausgaben für 20 Jahre fest. Das städtische Fördervolumen beträgt eine Million Euro. Die andere Hälfte müssen die Vereine selbst zusteuern.
Willi Wittmann hat anstrengende Wochen vor sich. Mit den Kollegen im Vorstand des Stadtsportverbandes (SSV) muss er bis zur Ratssitzung am 16. Dezember eine Stellungnahme zum Sportförderkonzept der Verwaltung ausarbeiten. In dicht gedrängter Folge wird der SSV daher nun zahlreiche Diskussionsrunden einberufen, Abstimmungsgespräche führen und zusehen, dass er die magersüchtige Kuh vom Eis holt.
Die Kuh ist die Stadt, die immer weniger Milch geben kann. Obwohl sie nach 2006 den jährlichen Beitrag zur Sportförderung von 5000 auf 50 000 Euro gesteigert hat und sich alle Mühe gibt, Investitionsstaus auf städtischen und vereinseigenen Anlagen aufzulösen, Sanierungen und Neubauten von Hallen umzusetzen sowie Geld in die Arbeit der Sportvereine zu pumpen, reicht es vorne und hinten nicht.
Sportförderung
Neubau DJK Leuth Kunstrasen 450 000 Euro; SuS Schaag Kunstrasen/Umkleide 583 000 Euro; Lambertusschützen Schießanlage 25 000 Euro; Union Nettetal Kabinentrakt/Wege/Zufahrt 160 000 Euro; Rhenania Hinsbeck Kabinen 185 000 Euro = 1,4 Mio. Euro.
Sanierung TSV Kaldenkirchen Sanierungspaket 230 000 Euro; TV Lobberich Dach 21 000 Euro; RV Kaldenkirchen Turniergelände 12 600 Euro; Union Nettetal (Tennis) 40 000 Euro = 303 600 Euro.
Summe 1,7 Mio Euro, davon zahlt die Stadt 851 000 Euro.
Bitter für die "Sportstadt Nettetal" ist die düstere Aussicht, demnächst in eine Haushaltssicherung zu schliddern. Entwickeln sich Einnahmen und Ausgaben weiterhin so auseinander wie in diesem Jahr – aktuell fehlen 10 Millionen Euro zum Ausgleich der Ausgaben –, dann kommt der "Sparkommissar". Folge: Die Stadt ist nicht mehr Herrin ihrer Finanzen. Alle freiwilligen Ausgaben werden sofort gestrichen. Diese klare Erkenntnis steckt unter anderem hinter dem Konzept, das Erster Beigeordneter Armin Schönfelder jetzt dem Sportausschuss präsentierte.
Ziel der Stadt ist es, jetzt Verlässlichkeit in die Sportförderung zu bekommen, ehe eine Fremdbestimmung dies kaputtmachen kann. Gleichzeitig sollen die Vereine aber auch Planungssicherheit bekommen. Über den Weg dahin stritten sich Schönfelder und ABK-Sprecher Hans Overhage trefflich. Aber der Ausschuss lehnte ein Antragspaket unter anderem auch mit der Begründung ab, dass er Schönfelders Gedankengängen folgen kann und die Entscheidung nicht länger aufschieben will. "Die Vereine brauchen Klarheit", erklärte Vorsitzender Johannes Peters.
Die Arbeit damit hat sowieso der SSV. Denn nach entsprechender Aufforderung haben Nettetaler Sportvereine ein Investitions- und Sanierungspaket in Höhe von etwa 4,5 Millionen Euro angemeldet. Verwirklichen kann die Stadt aber nur eine Million Euro, verteilt auf 20 (!) Jahre. Gleichzeitig müssen die Vereine die Hälfte der Fördersumme selbst finanzieren.
Das wird möglicherweise manchen Blütentraum von Kunstrasenplätzen, Umkleidekabinen und mehr zerplatzen lassen wie eine Seifenblase. Akzeptieren müssen die Vereine außerdem, dass die Verwaltung einen ganzen Katalog von Faktoren entwickelt hat, der in der Summe über die Rangfolge der eingegangenen Anträge entscheidet. Der SSV hat jetzt eine Menge Vermittlungsarbeit vor sich. Denn das jetzt vorgelegte Förderkonzept hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Viele Vereine, die ebenfalls Anträge gestellt haben, sind aus dem Rennen.
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