Nettetal: Spargel in feiner Umhüllung
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.05.2008Nettetal (RPO). Die Confiserie Seeger in Lobberich produziert in kleinen Mengen immer frische Spargelpralinen. Die gelungene Kreation erfreut sich sehr reger Nachfrage. Die Köstlichkeit gibt es noch bis Ende Juni.
Tief unten im Pralinenkeller entwickelt Marcel Seeger seine besten Ideen. Angestachelt von Freunden im „Kölner Köcheclub“ experimentierte der Lobbericher im vergangenen Jahr gut zwei Wochen mit frischem Spargel und verschiedenen Schokoladesorten, bis er am Ziel war: Seeger produziert in kleinen Mengen frische Spargelpralinen – und trifft damit genau den Geschmack seiner Kunden.
Kunden fragten schon nach
„Für die Kunden war es in diesem Jahr überhaupt kein Thema, ob wir sie überhaupt anbieten. Sie fragten: Wann gibt es wieder Spargelpralinen?“, freut sich Ulrike Seeger. Ihr Mann hatte eine ziemlich heikle Aufgabe zu bewältigen. Spargel besteht überwiegend aus Wasser und hat für die Verarbeitung in der Confiserie unangenehme Fasern. Im Zusammenwirken mit der Schokolade – Marcel Seeger entschied sich nach einigen Tests für Bitterschokolade mit 70 Prozent Kakaogehalt – sollte der Spargel zu schmecken sein. Das Problem der Fasrigkeit löste Seeger mit einer teuren Investition: Er schaffte einen Mixer mit Laborarbeitsqualität an. Darin mischt er sämtliche Zutaten (unter anderem weiße Schokolade, Pflanzenfett, Sahne), denen er den frisch geschälten und gekochten Spargel hinzufügt. In relativ kurzer Zeit entwickelt sich eine homogene Masse.
Etwas weitergeben
Vermitteln Marcel Seeger gibt sein Können gerne weiter. Sechs Mal im Jahr organisiert er für Interessenten Pralinenseminare.
Netzwerk Ulrike Seeger hat immer noch die Hoffnung, dass sich handwerklich hochwertige Verarbeitung von Lebensmitteln in Lobberich als Netzwerk etabliert und so Kundenkreis anzieht. Die Seegers haben in ihr eigenes Programm vor Jahren schon beispielsweise spanische Weine aufgenommen.
Der Rest ist Routine: Marcel Seeger füllt sie in vorbereitete Schokoladeförmchen. Manche erhalten noch einen Deckel aus Zuckerfolie und einen Aufdruck aus Lebensmittelfarbe. Stolz ist Marcel Seeger darauf, dass er seine Kreation ohne künstliche Zusatzstoffe entwickelt hat. „Es gibt keine künstlichen Geschmacksverstärker oder Aromastoffe“, unterstreicht er. Zur Verfeinerung mischt er lediglich etwas Spargelschnaps, einen Schuss Weißen Korn und Weißwein hinzu. Etwa zwei Wochen lassen sich die Pralinen kühl lagern. Deswegen produziert er auch nur kleinere Mengen, die aber stets frisch.
Wer die Praline probiert, sollte sich unbedingt Zeit nehmen. „Sie sollte mindestens eine halbe Stunde aus der Kühlung herausgenommen sein, ehe sie gegessen wird“, rät Ulrike Seeger. Die Spargelpraline muss langsam im Mund zergehen, so entwickelt sie ihr ungewöhnliches Aroma von zunächst mildem Alkohol, dann folgt die leichte Spur des Spargelgeschmacks, und schließlich setzt sich die kräftige Bitterschokolade geschmacklich durch.
Die starke Nachfrage hat die Seegers selbst überrascht. Sie möchten ihr Produkt gerne über Lobberich hinaus vermarkten. Bekannt ist die Spargelpraline auch schon in den Nettetaler Partnerstädten Caudebec (Frankreich) und Elk (Polen), wohin Delegationen sie mitsamt „Nettespargel“ mitnahmen. „Es war eine echte Herausforderung – aber eine glückliche“, meint Ulrike Seeger.
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