Nettetal: SPD fordert die zweite Gesamtschule
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 16.03.2009Nettetal (RPO). Der SPD-Ortsverein fordert die Einrichtung einer zweiten Gesamtschule in Nettetal. "Der seit Jahren durch die tatsächlichen Anmeldungen dokumentierte Elternwille" mache dies deutlich, heißt es in einem einstimmig von den Mitgliedern verabschiedeten Antrag. Die Partei beruft sich dabei nicht nur auf die Zahlen der vergangenen Jahre, sondern auch auf Ergebnisse einer jüngsten Elternbefragung. Nur 15 Prozent der Eltern von Viertklässlern melden demnach ihr Kind freiwillig an Real- oder Hauptschule an. "Tatsächlich müssen aber nach Zuweisung der Schulform 41 Prozent die Haupt- oder Realschule besuchen", stellt die SPD fest.
Die Gesamtschule kann immer nur 120 Schüler im fünften Jahrgang aufnehmen. Fast mindestens ebenso viele Schüler müssen seit Jahren abgewiesen werden. Die Gesamtschule hat einen Kriterienkatalog entwickelt, nach dem alle Begabungen gleichmäßig aufgenommen werden. Letztlich aber entscheidet immer wieder das Los.
"Das ist ein unhaltbarer Zustand. Wir dürfen nicht zulassen, das Kindern Bildungs- und Berufschancen aus ideologischen Gründen verwehrt werden", erklärte Christian Schürmann. Die Initiative richte sich keineswegs gegen die anerkannt gute Arbeit an Haupt- und Realschulen. "Aber wir müssen uns endlich der Tatsache stellen, dass Jugendliche mit einem Abgangszeugnis der Hauptschule mittlerweile sofort bei der Sichtung von Einstellungen aussortiert werden. Wir werden den Makel einer Herkunft der Hauptschule nicht damit ändern, dass wir diese Schulform mit allen Mitteln zu erhalten trachten."
Es sei unerträglich, hieß es in der folgenden Diskussion, dass der Wille von Eltern willkürlich missachtet werde. "Sie sollten entscheiden, auf welche Schule ihr Kind geht. Und sie haben sich längst entschieden". Sorgte bereitet der SPD, dass mittlerweile ein immer tieferer Riss durch die Nettetaler Elternschaft und deren Kinder gehe. So fühlten sich Kinder, die die Gesamtschule besuchen dürften, als Sieger. Kinder, denen dieser Weg versperrt bleibe, würden zunehmend als Verlierer ausgegrenzt. In manchen Familien spielten sich erschütternde Dramen ab, wenn die Ablehnung komme. Damit werde die Grundlage für dauerhaften Frust und wachsende Schulnöte gelegt.
Die SPD fordert von der Stadt Nettetal, dass sie die Zukunftschancen der Kinder fördert und nicht blockiert. "Ich frage mich wirklich, welchen Beruf ein Hauptschulabsolvent heute noch ergreifen soll. Selbst Friseure hätten heute ja am liebsten Abiturienten als Lehrlinge", ärgerte sich die Mutter mehrerer Kinder. Die SPD ist überzeugt, dass die Realschule nicht leiden wird, wenn eine weitere Gesamtschule gebildet wird. Notfalls werde die Partei den Antrag inhaltlich durch alle Wahlkämpfe tragen. FRAGE DES TAGES/KOMMENTAR
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