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Nettetal: Startschuss für Nettetal

VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 29.04.2008

Nettetal (RPO). Vor auf den Tag genau 40 Jahren zwang Regierungspräsident Hans-Otto Bäumer die Gemeinden zu neuem Nachdenken über ein Zusammengehen. Nach sanftem Druck gab es zum 1. Januar 1970 die neue Stadt Nettetal.

1968 sorgten nicht nur Studenten für unruhige Zeiten. Auch Kommunalpolitiker hatten kaum eine ruhige Minute. Sie hatten den Bestand der eigenen Gemeinde zu sichern. Seitdem am Nikolaustag 1966 Oberkreisdirektor Rudolf H. Müller einen ersten, sehr vorsichtigen Vorschlag zur Bildung größerer Gemeinden gemacht hatte, war die Welt der Ortspolitiker spätestens am 29. April 1968 nicht mehr in Ordnung. Regierungspräsident Bäumer wischte in einem Auftritt vor dem Kreistag in der Aula des Kempener Mädchengymnasiums sogar die schon unbeliebten „kleinen Lösungen“ vom Tisch.

Viersen war an allem schuld. Die damals kreisfreie Stadt erklärte ihre Bereitschaft, in den Kreis zu kommen und künftig mit Dülken und Süchteln zusammenzugehen. Angesichts der „Dreistadt“ mit 80 000 Einwohnern konnte es an der „Entwicklungsachse II. Ordnung“ in Richtung Niederlande nicht „klein-klein“ weitergehen. Also wurde die „Nettestadt“ aus Lobberich, Breyell, Kaldenkirchen, Hinsbeck und Leuth aufs Papier gebracht.

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Neuordnungs-Etappen

OKD-Vorschlag Er werde soviel Schelte wie nie zuvor beziehen, mutmaßte Oberkreisdirektor Rudolf H. Müller, als er am 6. Dezember 1966 vorschlug, aus 32 Gemeinden im Kreis 15 zu machen.

Wibera-Gutachten Das Anfang 1969 vorgelegte Gutachten der Wirtschaftsberatungsgesellschaft in Düsseldorf veränderte die reduzierte Gemeindezahl kaum, weil Viersen weiter „außen vor“ blieb.

Bäumer-Vorschlag Der Regierungspräsident wollte nach einer Bereisung im April 1968 nur noch acht Gemeinden im Kreis sehen.

Dabei hatten sich Politiker aller Couleur und Verwaltungschefs vorher über allerlei Fusionen Gedanken gemacht und Beschlüsse gefasst. Hatte OKD Müller noch milde nur Kaldenkirchen mit Bracht, Hinsbeck mit Leuth und Breyell/Boisheim mit Lobberich zusammengefasst, so kam Anfang 1968 ein Vorschlag aufgrund eines Gutachtens: Kaldenkirchen mit Bracht und Leuth, Lobberich mit Hinsbeck und Breyell (Boisheim zu Dülken). Die „Kleinen“ trieb daraufhin nur ein Gedanke: Nicht mit Lobberich, nicht mit Kaldenkirchen.

Hinsbecks Bürgermeister Leo Vriens sprach sogar von unterschiedlichen Menschen in Hinsbeck und Lobberich: „Die Mentalität (…) ist von jeder grundverschieden. Und hier trifft in der Tat nicht zu, dass Gegensätzliches sich anzieht und Gleichartiges sich abstößt.“ Der Breyeller Ratsherr Hans-Herbert Roesges meinte, die „Breyeller wollen nicht im Lobbericher Wind segeln“. Auch in Bracht herrschte keine Liebe zu Kaldenkirchen, sondern zu Brüggen. Und die Leuther sahen sich besser in einer Ehe mit Hinsbeck aufgehoben.

„Der Beharrungsmoment war groß, das Kirchturmsdenken noch allgegenwärtig“, erinnert sich der Kaldenkirchener Ratsherr Konrad Achtert, der die gesamte Neugliederungsdiskussion akribisch in seinem Computer dokumentiert hat. Für ihn war klar, dass nach dem Bäumer-Vorschlag „Nettetal kommen wird“. Er gehörte zu einer kleinen Arbeitsgruppe der CDU, die zunächst einmal auf Parteiebene das verminte Gelände abtasten sollte. „Sie kommt“ stand auf einem Plakat, mit dem die Junge Union die Diskussion, erinnert sich Dr. Theo Optendrenk. Er war damals Vorsitzender in Lobberich und als Youngster in der Arbeitsgruppe: „Wir haben versucht, Öffentlichkeit herzustellen, das Gespräch mit der älteren Politikergeneration gesucht und für ‚Nettetal‘ geworben.“

Quelle: RP

 
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