Nettetal: Straßenspieler in der Halle
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 30.05.2007Nettetal (RPO). Die Street-Basketball-Tour durch Nordrhein-Westfalen machte gestern Halt in Lobberich. 50 Teams kämpften in acht verschiedenen Altersklassen um das Landes-Finale in Münster. Ein Mädchen-Team aus Breyell hat es geschafft.
Kerstin hat den Ball. Die 13-Jährige wirft ihn zu ihrer Gegenspielerin – und die ihn wieder zurück zu Kerstin. Das macht man so nach einem Treffer im Streetbasketball. Denn es gibt keinen Anwurf. Im Gegensatz zum eigentlichen Basketball hängt statt zwei Körben nur einer auf dem Feld. Und im Gegensatz zum eigentlichen Basketball sollte – das verrät schon der Name – auf der Straße gespielt werden. Das Problem: Es nieselt neben der Werner-Jaeger-Turnhalle in Lobberich. Deshalb ziehen die Straßen-Korbjäger spontan unters Dach der Sportanlage.
Damit keiner krank wird
Am Morgen telefonierte Uwe van Rieth noch mit dem Wetterdienst. „Der sagte weiter Regen an“, sagt van Rieth. Damit die Spieler wegen des Sports im Regen nicht krank werden, planten die Organisatoren um. Der Breyeller hatte vor Wochen die Streetbasketball-Tour NRW nach Nettetal gelockt. In 16 Städten Nordrhein-Westfalens spielen Freizeit-Sportler um die Teilnahme am finalen Turnier in Münster.
Bald ein eigener Platz?
Das Problem In Nettetal gibt es keinen Streetbasketball-Platz.
Die Lösung Auf dem Bolzplatz in Speck soll einer gebaut werden.
Die Kosten 10 000 Euro soll der Platz kosten. Dafür suchen die Basketballer Sponsoren.
Der Kontakt Christian van Rieth (E-Mail sportprojekt@gmx.net) und Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps (Telefon 0177 / 82 13 197).
Da wollen auch Kerstin, die in der Saison für ART Düsseldorf spielt, und ihre Freundinnen hin. Gemeinsam mit Sinje (11), Deborah (11) und Ronja (14), die alle beim TV Breyell spielen, nennen sie sich „Vier gewinnt“. Der Teamname soll ein gutes Omen sein – oder doch zuviel der Zuversicht? „Wir wussten zuerst gar nicht, was uns erwartet – schließlich haben wir uns erst morgens angemeldet“, sagt Deborah. Das haben die meisten der 50 Teams. Die sind nicht aus Nettetal. „Das Turnier zieht Spieler“, sagt van Rieth. Der Basketball-Trainer erklärt die Faszination des Spiels auf der Straße damit, dass es keine Taktik gebe wie im Verein, während der gesamten Spiele Musik laufe und die Spiele ohne Schiedsrichter auskämen. Die Basketballer entscheiden selbst, wann gegen eine Regel verstoßen wurde. „Das klappt gut.“
Aus dem Kreis Viersen sind zehn Teams dabei. Der Rest kommt aus Entfernungen bis zu 50 Kilometern, um sich für das Endturnier zu qualifizieren. „Vier gewinnt“ sind aus Nettetal. Den Heimvorteil in der Halle nutzen sie: Deborah wirft zu Ronja, die dribbelt sich zum Korb, springt und legt den Ball durch den Ring – die Führung. Nächster Spielzug: Ronja tippt den Ball einige Male vor ihrer Gegnerin auf den Parkett. Aus dem Augenwinkel sieht sie Kerstin heran sprinten. Ein Pass, ein Wurf, ein kurzer Kontakt mit Brett und Ring – wieder gepunktet.
„Leider hat sich in unserer Altersklasse nur eine weitere Mannschaft angemeldet“, sagt Ronja. So spielt das Quartett nur zweimal gegen den BC Mühlhausen, benötigt aber auch nur diese Siege, um das Ticket nach Münster zu lösen. „Da wird es aber bestimmt nicht so einfach“, meint Sinje über das Turnier in zwei Wochen. „Aber die Hauptsache wird sein, weiter Spaß zu haben.“
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