Nettetal: Strom wird oft unbezahlbar
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 22.08.2008Nettetal (RPO). In diesem Jahr mussten die Stadtwerke bereits in 949 Fällen säumigen Zahlern Sperren androhen. Viele Nettetaler können die steigenden Kosten nicht mehr wegstecken. Die Stadtwerke raten, sich zeitig zu melden.
In einem Nettetaler Stadtteil steht eine Frau nicht nur vor den Trümmern ihrer Ehe. Sie kämpft inzwischen um ihre Existenz. Mit Taxifahren versucht sie über die Runden zu kommen und für ihre Kinder zu sorgen. Aber das Geld wird immer knapper. Nach mehreren Warnungen in den vergangenen Monaten griffen die Stadtwerke zum letzten Mittel gegen die säumige Zahlerin: Sie sperrten ihr das Wasser ab.
Dies ist kein Einzelfall mehr für das Kundenmanagement an der Leuther Straße in Kaldenkirchen. „Zwischen dem 1. Januar und dem 21. August haben wir 949 Ankündigungen herausgeschickt, die Versorgung zu unterbrechen. In 119 Fällen haben wir dann tatsächlich gesperrt“, sagte Norbert Dieling gestern. Den Geschäftsführer der Stadtwerke lassen solche Fälle nicht kalt, wie er beteuert. „Aber wir schöpfen normalerweise wirklich alle Möglichkeiten aus, um Kunden zu helfen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Es muss allerdings der gute Wille da sein, mit uns zusammenzuarbeiten.“
Teurer Winter 08/09
Gaspreis Die Stadtwerke erhöhen zum 1. Oktober den Gaspreis. Er ist mit halbjähriger Verzögerung an den Preis für Öl gekoppelt.
Heizperiode „Für Gaskunden ist das ärgerlich, weil die Entlastung durch die jetzt sinkenden Ölpreise erst zum 1. März eintreten wird – also nach der Heizperiode“, so Norbert Dieling. Die Stadtwerke haben Abschläge ihrer Kunden bereits angepasst – also angehoben.
Zusammenarbeit mit Arge
Im konkreten Fall ist, warum auch immer, einiges schlecht für Familie gelaufen. Mahnungen und Fristsetzungen blieben letztlich ohne Wirkung, und als die Stromzufuhr schließlich gesperrt werden sollte, kam der Mitarbeiter der Stadtwerke nicht in die Wohnung. Daraufhin sperrte das Unternehmen die Wasserzufuhr. Verstehen kann Dieling nicht, wenn sich Fälle so zuspitzen. „Wir arbeiten sehr eng und vor allem gut mit der Arge zusammen. Wenn es klemmt, dann wird dort und bei uns schnell und unbürokratisch geholfen. Mit der telefonischen Übernahmeerklärung der Arge handeln wir sofort.“ Allerdings nehmen Geringverdiener mitunter aus Stolz nicht die ihnen zustehenden Hilfen der Arge in Anspruch. „Da kann ich nicht hinter gucken, wenn sich Leute uns nicht offenbaren. Wir lassen niemanden einfach gegen die Wand laufen. Aber unser Dilemma ist es, dass wir geliefert haben, ehe eine Rechnung herausgeht. Zurückholen können wir nicht, was wir liefern. “ Zum Krisenmanagement der Stadtwerke gehört die kostenlose Energieberatung. „Da ist manches einzusparen, aber Konsumverhalten können wir nur eingeschränkt beeinflussen“, so Dieling.
Der Chef der Stadtwerke räumt allerdings ein, dass „die Leute als Energiekunden letztlich keine Wahl haben“. Die Preise steigen auf breiter Front, es gibt zwischen Anbietern kaum noch große Unterschiede. Gelackmeiert sind die Stadtwerke stets, wenn jemand Strom bei einem anderen Versorger bezieht und nicht zahlt. „Das geht ganz schnell: Zack – und er ist raus. Sobald er dann bei uns Strom bezieht, ist er wieder unser Kunde. Dazu sind wir als Grundversorger verpflichtet.“
In manchen Fällen setzen Stadtwerke Vorkasse-Zähler ein: Der Kunde kauft so, wie er gerade Geld hat, eine Karte bei den Stadtwerken, die er in den Zähler steckt, wie bei einer Prepaid-Karte des Handys. Das ist allerdings über erhöhte Aufwendungen vor allem über die Sonderzähler teuer, die Stadtwerke machen das nur ungern.
Dieling rät daher dringend, dass Kunden, die in Geldnot geraten, sich frühzeitig offenbaren. „Wir wollen eine Lösung finden.“
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