Nettetal: Touristen allein gelassen
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 23.04.2008Nettetal (RPO). Die SPD-Fraktion fordert ein touristisches Konzept für die Stadt Nettetal. Auf Dauer dürfe sich die Stadt nicht nur auf ihre Naturschätze verlassen. Die bisher guten Ansätze ließen keinen Zusammenhang erkennen.
„Es wird viel über Tourismus geredet in Nettetal. Aber der Wirtschaftszweig wird nicht wirklich konsequent gefördert. Es hapert an der Infrastruktur, es fehlen besucherfreundliche Systeme, und vieles bleibt Stückwerk“, bedauert Bernd Müller-Wirtz. Der SPD-Fraktionsvorsitzende hat einen Antrag an den Bürgermeister geschickt, damit das alles besser wird. Die Stadtverwaltung soll ein touristisches Konzept erarbeiten.
„Es gibt punktuell sehr gute Ansätze, aber ein Zusammenhang ist nicht erkennbar“, meint Müller-Wirtz. Mit der Nette-Card und dem Nette-Spargel gebe es „vorzügliche Marketing-Instrumente“, aber nicht mehr. „Ein richtiges Konzept gibt es nicht, denn sonst wäre nicht so vieles dem Zufall überlassen.“
Warum Nettetal?
Zahlen Durchschnittlich 1,5 Millionen Menschen besuchen jährlich Nettetal. Sie kommen fast ausschließlich aus dem Rheinland und dem westlichen Westfalen sowie den Niederlanden.
Begehrt Gerne suchen Touristen die Restaurants auf, sie schätzen die Natur und Sehenswürdigkeiten, fahren gerne Rad, besuchen Veranstaltungen und andere Freizeitangebote.
In ihrem Antrag schlägt die Fraktion vor, touristisch interessante Angebote in der Stadt thematisch zu bündeln. Allgemeiner Sport, Fitness, Natur und Bewegung sollten prinzipiell im Mittelpunkt stehen und verbunden werden mit Radfahren, Reiten und Nordic Walking. Die Stadt sollte für die erforderliche Infrastruktur sorgen und andere Angebote durch Private oder auch in Vereinsträgerschaft einbeziehen.
Da die Stadtverwaltung allein überfordert wäre, touristische Angebote auszugestalten, sollten die (gewerblichen) Anbieter und in der Vermarktung Fachorganisationen einbezogen werden. Mögliche Kooperationspartner wären für die SPD gastronomische Betriebe, Hotels, Pensionen, Ferienbauernhöfe, Tennishalle, Golfklub, auf dem Gebiet tätige Vereine, Reiterhöfe und auch Anbieter aus der Umgebung, inklusive Niederlande.
Der Nette-Spargel habe bewiesen, dass touristische Besucher der Stadt solche „Marken“ schätzen und die Wiedererkennung (und Wiederkehr) fördern. Spezialitäten und Besonderheiten sowie spezifisch regionale Produkte wie der Saft aus den Streuobstwiesen des Naturschutzbundes, der Kaldenkirchener Kräuterlikör L’estomac seien gute Beispiele.
Der SPD gefällt nicht, dass vieles dem Zufall überlassen bleibt, Dinge nebeneinander und damit unkoordiniert stattfinden oder Bedürfnisse von Besuchern der Stadt vollkommen unter den Tisch fallen. „Wer die Autobahn an der Ausfahrt Nettetal/Boisheim verlässt, findet das Wort Nettetal danach nirgends mehr. Die Ausschilderung touristischer Informationen ist unzureichend, die Nette-Agentur versteckt sich hinter dem Rathaus“, klagt Müller-Wirtz.
Ein besonders krasses Beispiel fehlender Absprache erleben Wohnmobilisten: Nettetal hat in Lobberich am Flothend einen Standplatz ausgewiesen. Die Niederrhein Tourismus GmbH dagegen lenkt Wohnmobilisten auf den Penny-Parkplatz in Breyell und zum Campingplatz am Quellensee. Den von der Stadt ausgewiesenen Platz gebe es dagegen nicht.
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