Nettetal: Trend geht zum sozialen Jahr
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 02.03.2009Nettetal (RPO). Weil der Zivildienst nur neun Monate dauert und für die Einsatzstellen immer teurer wird, leisten immer mehr junge Männer stattdessen ein freiwilliges soziales Jahr. Auch für sie hat die längere Dienstzeit Vorteile.
Zivildienstleistende lohnen sich für den Malteser Hilfsdienst Nettetal kaum noch. Zuerst die dreimonatige Ausbildung zum Rettungssanitäter, dann der Urlaub – und schon ist fast die Hälfte der neun Monate vorbei, die die jungen Männer leisten müssen. Willi Pollmanns, Stadtbeauftragter des Malteser Hilfsdiensts erkennt einen Trend zum Freiwilligen Sozialen Jahr. "Das ist auch für die jungen Menschen oft besser, um die Zeit zwischen Abitur und Studium zu überbrücken", sagt er.
Außerdem steigen die Kosten für die Dienststellen. Sie müssen einen höheren Teil des Geldes, das die Zivildienstleistenden bekommen, selbst zahlen. Bei neun Monaten Dienstzeit ist auch die Kontinuität ein Problem. Oft müssen die Institutionen bis zum nächsten Ausbildungs- oder Schuljahresende auf neue Zivis warten. Die zwölfmonatigen Freiwilligen Sozialen Jahre enden immer zum gleichen Termin, die Nachfolge ist kein Problem. Der Trend ist auszumachen: Bundesweit steigt die Zahl derjenigen, die ein soziales Jahr beginnen, um etwa 500 pro Jahr. Allerdings sind die Zivildienstleistenden klar in der Überzahl.
Statistik
Zivis In Deutschland gibt es zurzeit 85 000 Zivildienstleistende. Etwa 6000 Männer leisten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).
Lücke Zwischen Abitur und Studium liegenbei Jungen im Durchschnitt 15 bis 16 Monate.
Kontakt Wer eine Zivi-Stelle sucht, kann sich bei Martina Lux vom Bundesamt für Zivildienst melden, Tel. 02273 60 68 93.
Die Biologische Station Krickenbecker Seen hat die Anzahl seiner Zivi-Stellen von früher fünf auf zwei reduziert. "Der Zivildienst wird für uns unattraktiver", sagt Dr. Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station. Seine Zivis müssen zwar keine dreimonatige Ausbildung hinter sich bringen. Trotzdem wurmen ihn die vorgeschriebenen Seminare. "Früher, als der Dienst noch 20 Monate dauerte, musste nicht jeder Zivi zu einem Seminar gehen. Heute – bei neun Monaten – seien alle mindestens drei Wochen weg", sagt er. Dazu kommt Urlaub.
Trotzdem will Willi Pollmanns, zugleich Leiter des Marienheims, zumindest in dem Alten- und Pflegeheim nicht auf Zivildienstleistende verzichten. "Wir werben damit auch für den Beruf und den Dienst an der Gesellschaft", sagt er. Vielen jungen Menschen helfe der Zivildienst bei der Berufswahl, sie erkennen ihr Interesse an sozialen Themen. So kommen sie in Kontakt zu einem Berufsfeld, das sie ansonsten nie für sich entdeckt hätten. "Immer wieder höre ich von Zivis, die in der Pflege gearbeitet haben, das ihnen das etwas fürs Leben gegeben hat", sagt Pollmanns. Auf der anderen Seite birgt ein Zwangsdienst auch das Risiko unmotivierter Pflichtableister. Absolute Unlust komme trotzdem selten vor, berichtet Stefan Russmann, stellvertretender Pflegedienstleiter im Krankenhaus Nettetal. Es sind die Rahmenbedingungen, die besser sein könnten. FRAGE DES TAGES/KOMMENTAR
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