Nettetal: Unterricht lahm gelegt
VON EBERHARD LANGE UND LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 30.10.2008Nettetal (RPO). Die Hauptschule in Lobberich musste Mittwoch geräumt werden: Zehn Schüler klagten über Atemnot, einige mussten zur Beobachtung ins Krankenhaus. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Ein rätselhafter Zwischenfall hat Mittwoch für große Aufregung in der Hauptschule „Am Ingenhovenpark“ gesorgt. Die Schule musste geräumt werden, weil im Treppenhaus eine ammoniakhaltige Flüssigkeit entdeckt worden war. Einige Schüler wurden über die Drehleiter der Lobbericher Feuerwehr evakuiert. Sieben Schüler wurden von Notärzten untersucht, weitere drei Mädchen im Alter von 12 und 15 Jahren kamen vorsorglich ins Krankenhaus.
Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die im Treppenhaus vorgefundene Flüssigkeit von außen in die Schule gebracht wurde. Es handele sich eventuell um einen „Schülerstreich“, der allerdings deutlich die Grenzen des Scherzes und der Legalität überschritten hätte, so die Polizei. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung und bittet um Hinweise unter Tel. 02162 377-0 an die Kripo Nettetal.
Glück im Unglück
Praktika Die Hauptschule hatte gestern Glück im Unglück: Von den 342 Schülern waren nur 212 in der Schule. 130 Schüler der Jahrgänge 9 und 10 befinden sich zur Zeit im Berufspraktikum.
Einsatzkräfte Nach Angaben der Feuerwehr befanden sich der Leitende Notarzt und drei weitere Notärzte sowie 36 Rettungsdienst- und Feuerwehrfahrzeuge mit 132 Einsatzkräften an der Schule
Kurz nach 10 Uhr meldete ein Schüler sich bei Hausmeister Dieter Heußen: „Es riecht hier so komisch.“ Andere klagten über Atemwegsprobleme. Heußen ist Brandmeister bei der freiwilligen Feuerwehr. Er nahm einen „aromatischen, aber starken Geruch“ wahr und informierte die Schulleitung. Die ordnete sofort die Räumung an. „Die Sicherheit der 342 Schüler hatte Vorrang“, unterstrich Rektor Hans Leo Windeln.
Zeitgleich mit der Evakuierung wurden Feuerwehr, Polizei und zusätzliche Rettungskräfte des Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes alarmiert. Als sie eintrafen, war die Schule geräumt. Eine Schülerin musste sich übergeben, ihre Haut zeigte Rötungen. Ob dies von der Flüssigkeit oder durch Aufregung ausgelöst wurde, blieb unklar.
Unter Atemschutz nahmen Kräfte des hinzugerufenen Erkundertrupps der Feuerwehr Viersen das Treppenhaus in Augenschein. Sie stellten Luft- und Flüssigkeitsproben sicher. Die Feuerwehr ermittelte Bestandteile von Ammoniak. Die Konzentration lag allerdings weit unter den an einem Arbeitsplatz zulässigen Werten. Die Herkunft der Flüssigkeit blieb unbekannt. Der Chemieraum war verschlossen. Die Fachlehrerin ist erkrankt, es hat schon in den vergangenen Tagen keinen Chemieunterricht gegeben. Vorsorglich schickte die Firma Henkel aus Düsseldorf Experten, um zu klären, ob es sich um ein Reinigungsmittel handelte.
Das Gebäude wurde um 13 Uhr freigegeben. Am heutigen Donnerstag soll der Unterricht wieder aufgenommen werden. Für Schulleiter Windeln ging‘s gestern Nachmittag mit der Sitzung des Fördervereins weiter. Verwaltungstrakt, Aula und Oberklassen-Räume waren verschont geblieben.
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