Nettetal: Urne statt Sarg
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 07.08.2008Nettetal (RPO). In Nettetal steigt die Zahl der Feuerbestattungen. Die Nutzungsgebühren fürs Reihengrab sind im Vergleich zur Urne deutlich höher. Ärmere Menschen sind oft gezwungen, sich fern der Heimat bestatten zu lassen.
Der Trend zur Urne ist ungebrochen. „Seit dem Wegfall des Sterbegeldes im Jahr 2004 lassen sich immer mehr Menschen in einer Urne beisetzen“, sagt Bestattermeister Robert Hellmann aus Lobberich. Der Anteil der Urnenbestattungen liegt bei uns zurzeit bei rund 35 Prozent“, berichtet der Bestatter.
Ein Grund für den anhaltenden Trend zur Urnenbestattung liegt darin, dass sie preiswerter als ein Reihen- oder Wahlgrab ist. In Nettetal kostet die Pacht eines Reihengrabs für 25 Jahre derzeit 1754 Euro. Darin enthalten sind die Gebühren für die Beisetzung und die Nutzung der Trauerhalle. Die Beisetzung in einem Wahlgrab und die Pacht für 30 Jahre kommt auf 2421 Euro. Die Pacht eines pflegefreien Urnenreihengrabs (Rasenfläche) für 25 Jahre kostet im Vergleich dazu inklusive Gebühren und Kapellennutzung 1467 Euro. Die Bestattung in einem Urnenwahlgrab und die Pacht für 30 Jahre schlägt inklusive Kapellennutzung und Gebühren mit 1729 Euro zu Buche.
Das Wahlgrab
Freie Wahl Unter einem Wahlgrab (Familiengrab) versteht man eine Grabstätte, deren Standort man selber aussuchen kann (im Gegensatz zum Reihengrab).
Pachtverlängerung Ein Wahlgrab kann nach Ablauf des Nutzungsrechts erneut gepachtet werden. Wahlgräber können häufig auch mehrere Familienangehörige aufnehmen (Särge oder Urnen) oder es besteht die Möglichkeit zur Bestattung in unmittelbarer Nähe.
73 Urnenbestattungen in 2007
Im vergangenen Jahr gab es in Nettetal 73 Urnenbestattungen, so Pressesprecher Christoph Kamps. Das entspricht 24 Prozent der gesamten Bestattungen. Die Tendenz ist steigend: Bis zum 30. Juli 2008 hatten wir bereits 59 Urnenbestattungen“, so der Pressesprecher.
Zu den niedrigeren Preisen kommt noch ein weiterer Grund hinzu dafür, dass so viele die Urnenbestattung wählen, oft sogar als anonyme Grabstätte. „Viele ältere Leute möchten ihren Familien nicht zur Last fallen. Sie wählen ein anonymes Grab, das ihre Nachkommen nicht 30 Jahre lang pflegen müssen.“ Auf ungepflegten Grabstätten hinterlässt die Verwaltung Nachrichten an die Angehörigen, sich zu melden. Senioren, die so etwas sehen, überlegen es sich zwei Mal, ob sie sich nicht für ein Urnengrab oder eine anonyme Grabstätte entscheiden sollen.
Besorgnis erregend finden viele eine Entwicklung, die sich in den letzten Jahren verstärkt hat. Ärmere Menschen lassen sich oft nicht mehr in ihrem Heimatort bestatten, sondern dort, wo die Preise am günstigsten sind. „In Nettetal kommt dies aber nur zu einem kleinen Prozentsatz vor“, sagt Hellmann. Doch auch hier gilt: Kommt ein Mensch ins Altenheim, muss er mit seiner Rente und seinem Ersparten für die Kosten aufkommen. Ein Grundbetrag von 2600 Euro, der so genannte Selbstbehalt, bleibt ihm auf jeden Fall. Viele wollen diese 2600 Euro verwenden, um ihren Kindern nicht die Kosten für die eigene Beerdigung aufzubürden.
Problem Familiengruft
Das Problem: Möchte der Angehörige in der Familiengruft beerdigt werden, müssen die Nutzungsrechte für die vergangenen 20 Jahre bezahlt werden. Pro Jahr fallen 75 Euro an. Da kommen für ein Doppelgrab 3000 Euro zusammen.
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