Kommentar: Verkommener Denkmalschutz
zuletzt aktualisiert: 22.08.2009Kommentar (RPO). Die Stadt Nettetal – und das sind alle Bürger – hat eine bittere Niederlage erfahren. Das Haus an der Marktstraße 33 wird abgerissen, weil der Besitzer es verfallen ließ. Die Stadt hatte einmal mehr weder die Kraft, den Ehrgeiz noch den erklärten Willen, das Ziel von Denkmalschutz zu erreichen: "Denkmäler werden erhalten, weil sie historische Botschaften in die Gegenwart und für spätere Zeiten übermitteln sollen", so erklärt das Rheinische Amt für Denkmalschutz seine Aufgaben und Ziele. Man mag das Gefasel von der Liebe zur Heimat und zu ihren Menschen einfach nicht mehr hören, das vor allem in diesen Wahlkampfzeiten flott über die Lippen von Kandidaten geht. Wer belogen werden will, soll es glauben. Es sind nur hohle Worte.
Ausgerechnet jetzt, wo der fast verlorene der Markt Lobberichs rekonstruiert wird, wird ein als wertvoll eingestuftes Gebäude dem Abriss preisgegeben, weil der Besitzer es so will. Es entbehrt nicht der Symbolkraft, dass die Bauarbeiten den Abriss beschleunigen. Ersatzweise muss ein Rest von Fassade im Neubau ausgenommen werden. Denkmalschutz verkommt so zur verlogenen Fassadenpolitik, die Lobberichs Zentrum in eine Art niederrheinisches Disneyland verwandelt. Billiger geht's nicht.
Nicht zum ersten Mal ist in dieser Stadt durch die Schlaffheit der zur Kontrolle verpflichteten Behörde und durch gezielte Hinrichtung ein wichtiges Zeugnis der Vergangenheit vernichtet worden. Ach, werden manche sagen, es handelt sich doch nur um ein einzelnes Haus. Eben. Mit Methode kann man jedes einzelne Haus vergammeln und abreißen lassen. Bis nichts mehr da ist, was erhaltenswert wäre. Gerade die schlichten Stadthäuser spiegeln das Leben der Menschen wider, die Lobberich und Nettetal einstaufbauten. Was für eine jämmerliche Farce! LUDGER PETERS
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