Nettetal: Viele Obdachlose blenden ihre Probleme nur aus
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 03.06.2009Nettetal (RPO). Zurzeit sind 77 Menschen in der Stadt offiziell als obdachlos registriert. Meist handelt sich aber dabei nicht um eine zeitlich begrenzte Obdachlosigkeit. Es gibt Familien, die sich in diesem Dauerzustand durchaus eingerichtet haben.
Die Stadt will sowohl die "Altfälle" möglichst bald auflösen als auch neue Fälle von Obdachlosigkeit so schnell wie möglich beenden – oder erst gar nicht entstehen lassen. Silke Buestgens, die Stellvertreterin von Sozialamtsleiter Michael Theven, berichtete im Sozialausschuss, sie begleite jährlich etwa zwanzig Zwangsräumungen am Amtsgericht. Das vor einem Jahr von der Veraltung gestrickte Konzept "Wege aus der Obdachlosigkeit" habe bereits ausgezeichnet gegriffen. "Wir haben alle Fälle von drohender Obdachlosigkeit abwenden können."
Unmittelbar einbinden
Die Stadt dringt darauf, dass von Obdachlosigkeit bedrohte oder betroffene Menschen aktiv mitwirken. Die Stadt ermittelt persönliche und familiäre Umstände und findet mit den Betreffenden, was sie einbringen und leisten könnten. Es wird ermittelt, welche Leistungen sie bereits erhalten und ob sie andere Töpfe anzapfen könnten. Ein Finanzcheck hilft meist auch weiter.
Oft müssen die Mitarbeiter der Sozialverwaltung feststellen, dass diese Klientel wichtige Dinge einfach verdrängt. "Wir finden manchmal haufenweise ungeöffnete Post, die längst hätte bearbeitet werden müssen", so Frau Buestgens. Gemeinsam werden alle noch verfügbaren Unterlagen gesichtet. So können unangenehme Überraschungen, wie Fristverletzungen, verhindert werden.
Nicht nur Post bleibt unbehandelt. Die Menschen bleiben häufig auch anberaumten Behördenterminen fern und schaden sich auch noch zusätzlich. Die Stadt versucht, auch solche Defizite aufzuarbeiten, indem sie Gespräche oder Beratungen (Drogenberatung, Justiz, Renten- und Versicherungsträger, Ärzte etc.) fördert oder auch vermittelt.
Konflikte und Schulden
Für viele kommen gleich mehrere Probleme zusammen. Ihre Finanzen sind ungeordnet, es gibt Konflikte mit Institutionen und in der Familie, Alkohol und andere Drogen sind ebenfalls sehr oft im Spiel. Wer in eine Privatinsolvenz geht, muss unbedingt für den Zeitraum des Verfahrens dauerhaft einer Arbeit nachgehen.
Und natürlich wird nicht jeder Geschichte geglaubt, die so zur eigenen Entlastung vorgetragen wird. Rückfragen entlarven schnell Flunkereien. Die Stadt scheut sich daher auch nicht, gewissen Druck auszuüben, um die Mitwirkung von Obdachlosen zu erreichen.
Ein Defizit nannte Silke Buestgens, das die WEege aus der Obdachlosigkeit noch etwas behindert: "Wir brauchen mehr Informationen gerade von Wohnungsgesellschaften, um noch erfolgreicher arbeiten zu können."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


