Kreis Viersen: Vom Schweigen im Walde
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 01.02.2010Kreis Viersen (RPO). Seit dem Winter 2008/09 leidet Damwild im Naturschutzgebiet Brachter Wald Hunger. Jäger mussten bisher 620 Tiere im Akkord abschießen und gleichzeitig füttern. Wer hinter die Kulissen schaut, gilt als Verschwörer.
Etwa 620 Stück Damwild sind im Naturschutzgebiet Brachter Wald, dem früheren Depot der britischen Rheinarmee, in den vergangenen Monaten abgeschossen worden. Das heißt, dass seit etwa Mai dort etwa drei Tiere täglich, Heiligabend oder Silvester eingeschlossen, abgeschossen wurden. Das "Naturschutzgebiet" ist das blutgetränkte Schlachtfeld eines ganz und gar unwaidmännischen Vernichtungsfeldzuges.
Damit ist nicht das Ende der Massentötungen erreicht. Es wird nur innegehalten, um zu ermitteln, wieviele Tiere sich noch in dem vorgeblichen Naturschutzgebiet befinden. Im März wird man sich wieder zusammensetzen und unweigerlich wieder einige hundert Tiere zum Abschuss freigeben. Jahrelang haben Behörden und öffentliche Institutionen weggeschaut und zugelassen, dass der Bestand so ausuferte, dass er nun verhungern musste. In ihrer Not fressen die Tiere die geschützte Substanz des Gebietes weg. Das kann nur eine stillschweigende Übereinkunft der Beteiligten möglich gemacht haben, für die Behörden ihre Aufsichtspflicht dauerhaft verletzt haben.
Klar und verbindlich
Landschaftsplan ist ein Rechtsplan als verbindliche Grundlage für Naturschutz, Landschaftspflege und Landschaftsentwicklung. Die darin formulierten Entwicklungsziele sind behördenverbindlich.
FFH-Richtlinie ist die zentrale Rechtsgrundlage für den Naturschutz in der Europäischen Union. Artikel 11 der FFH-Richtlinie verpflichtet dazu, den Erhaltungszustand der Arten und Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse zu überwachen.
Jäger mussten in den vergangenen Monaten unter Androhung von Geldstrafen (ausgerechnet durch den Kreis) Damwild im Akkord niedermetzeln, das sie gleichzeitig mit enormem Aufwand füttern. Würde es nicht systematisch abgeschossen, krepierte es vor Hunger. Den Bestand der Tiere haben Fachbehörden hochgetrieben, die das hätten verhindern müssen. Sie verstießen gegen Festsetzungen des Landschaftsplanes und gegen die strenge, auf EU-Ebene festgelegte Richtlinie Fauna-Flora-Habitate.
Kreistagspolitiker, die nicht mehr wie ihre Vorgänger in Aufsichtsgremien wegschauen, sondern (auch zum Selbstschutz) Fragen stellen, die Aufklärung verlangen und das Interesse der Bürger vertreten, werden als "Verschwörer" abgetan. Sie aber wissen, dass staatsanwaltliche Ermittlungen nicht mehr auszuschießen sind. Statt lückenlos aufzuklären und der Öffentlichkeit Rechenschaft abzulegen, verschleißen sich hinter den Kulissen Behörden, Einzelpersonen und Institutionen in Auseinandersetzungen so, als gelte es nur noch, die eigene Haut zu retten.
Warum sich die Damwild-Herde gegen alle Regeln vervielfacht hat und warum sich jetzt Kadaver im "Naturschutzgebiet" türmen, hat bisher keine verantwortliche Behörde oder Institution öffentlich erklärt. Das gilt für die Flächenbesitzer NRW-Stiftung und Wirtschaftsförderungsgesellschaft ebenso wie für den Kreis mit unterer Jagdbehörde, unterer Landschaftsbehörde und Veterinäramt. Auch die Forstbehörde schweigt. Das alte Forstamt Mönchengladbach war forstfachlich im Depot aktiv und jagte in einem Revier der NRW-Stiftung. Die Biologische Station schweigt ebenso wie der Landschaftsbeirat, der sich wohl nur wegduckt. FRAGE DES TAGES
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