Nettetal: Wagner ist am Ziel
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.12.2010Nettetal (RPO). Der Stadtrat hat sich für die Gründung des Jugendamtes der Stadt Nettetal entschieden. Bürgermeister Christian Wagner will es im Jahr 2012 einrichten. Seit gestern laufen die Vorbereitungen auch offiziell.
Christian Wagner und Armin Schönfelder waren gestern bestens gelaunt. Der Bürgermeister und sein Erster Beigeordneter verschwenden kaum mehr einen Gedanken daran, dass nur eine ganz knappe Mehrheit im Rat dafür gestimmt hat, ein eigenes Jugendamt in Nettetal zu gründen. Ihre eigene CDU blieb dagegen. Beide hatten längst Pläne geschmiedet, um den Ratsbeschluss umzusetzen.
Noch einmal hatten die Sprecher aller sechs Fraktionen in der letzten Ratssitzung des Jahres am Ende einer vierjährigen Marathonberatung ihre Beweggründe für und wider das Jugendamt Nettetal vorgetragen. Was CDU mehrheitlich und ABK komplett für überflüssig und kostspielig halten, ist für SPD, FDP, Grüne und WIN unbedingt besser als der heutige Zustand und finanziell mit einem überschaubaren Risiko belastet. In geheimer Abstimmung sprachen sich 23 Ratsmitglieder (darunter wohl drei aus der CDU) für, 20 gegen (17 aus der CDU, drei von der ABK) das Jugendamt aus. Ein Ratsmitglied (vermutlich aus der CDU) enthielt sich.
Aktuelle Strukturen
Kreisjugendamt Der Kreis Viersen unterhält bisher ein Jugendamt mit 95 Mitarbeitern, dem die Städte Nettetal und Tönisvorst sowie die Gemeinden Schwalmtal, Brüggen, Niederkrüchten und Grefrath angehören.
Stadtjugendamt Eigene Jugendämter gibt es bisher in Viersen, Willich und Kempen. Nettetal wird im Laufe des Jahres 2012 dazu stoßen.
Jetzt Blick nach vorne
Eine politische Zerreißprobe, gar ein erschüttertes Verhältnis zwischen ihm, dem CDU-Beigeordneten und der CDU-Fraktion vermag Wagner nicht zu erkennen. Gestern saßen er schon früh mit Parteichef Jürgen Boyxen, der das Jugendamt auch herbeisehnte, und Fraktionschef Günter Werner, einem erklärten Gegner, zusammen. Die Entscheidung sei gefallen, jetzt gehe der Blick nach vorne, sagt Wagner.
Politisch ordnete er dem Unterausschuss Jugendamt, den Boyxen leitet, jetzt eine "Schlüsselstellung" in der Vorbereitung zu. Der Bürgermeister wird eine Projektgruppe bilden, die unter der Führung Schönfelders auf das Ziel hin arbeitet, im Jahr 2012 das Jugendamt zu gründen. Personalchefin Margret Reiffs wird ihren Part dort ebenfalls ausfüllen. Gesucht wird jetzt nach einer Stellenausschreibung ein Projektleiter, der später das Jugendamt leiten wird.
Auch wenn zuletzt mit harten Bandagen gerungen wurde, wie Beobachter erzählen – Wagner will mit dem Kreis(-Jugendamt) und den umliegenden Jugendämtern in Kempen, Willich und Viersen eng zusammenarbeiten. Das "Restjugendamt" sei keineswegs ein Torso, verteidigt er sich gegen Vorwürfe, Nettetal verhalte sich unsolidarisch. "Es handelt sich um Gemeinden mit insgesamt 100 000 Einwohnern, die bis auf Tönisvorst, ungefähr gleich sind."
Wagners Traum vom perfekten Bündnis für Familie steht vor der Vollendung, sagt er. Die letzte Lücke in der Kette sei geschlossen, wenn die Stadt ihr Jugendamt habe. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES
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