Nettetal: Wahlkampf online: Schürmann wirbt im Netz
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 06.05.2009Nettetal (RPO). Christian Schürmann informiert sich morgens noch immer traditionell: Im Frühstücks-Fernsehen und aus der Zeitung. Doch wenn der 29-jährige SPD-Kandidat für das Amt des Bürgermeisters, im Zug auf dem Weg zu seiner Arbeit im Düsseldorfer Büro der Landtags-Abgeordneten Monika Ruff-Händelkes sitzt, geht er über sein Mobiltelefon ins Internet.
E-Mails lesen, Nachrichten versenden, schauen, was in der Welt so los ist. Für Schürmann wie für die meisten unter 30-Jährigen ganz normal. Sie sind mit dem Internet aufgewachsen, erledigen ihre Bankgeschäfte ebenso online wie sie nachschauen, wann der nächste Bus fährt. Darum nutzt Schürmann das Medium intensiv für seinen Wahlkampf.
Auf den Spuren Obamas
"Die Idee reifte, als ich über eine Kandidatur nachgedacht habe", sagt Schürmann. An der Uni Duisburg-Essen, an der er seine Diplom-Arbeit fertig stellt, sprach er mit Studenten über die Strategie Barack Obamas, der wie kein Mensch vor ihm das Internet für seinen Wahlkampf einsetzte.
Bereits einen Tag nach seiner Ernennung zum Kandidaten vor knapp fünf Wochen gründete er im Online-Netzwerk StudiVZ eine nach seinem Wahl-Motto benannte Gruppe: "Nettetal gewinnt". In dieser haben sich mittlerweile 134 Nutzer versammelt, um über Schürmanns Politik zu diskutieren. "Dort kann jeder seine Meinung zu meinem Wahlkampfes abgeben", sagt der Leuther. Das ausführliche Wahlprogramm lesen die wenigsten – gebündelte Informationen sind das, was Wähler wollen. Sogar Video-Mitschnitte seiner Reden gibt es auf Schürmanns Internetseite. Sein Ziel: Junge Menschen über "ihr" Medium erreichen und für die Wahlen mobilisieren. "Wer in die Online-Gruppen geht, der möchte Infos bekommen", sagt er. Diese bemüht er sich, zu geben. Und nutzt neben StudiVZ in Facebook (dem internationalen Pendant, in dem auch Frank-Walter Steinmeier für sich wirbt) und Twitter zwei weitere kostenlose Netzwerke. Bei letzterem bekommt man täglich eine Art Newsletter über das, was Schürmann gerade bewegt, auf sein Handy.
Dass er bei der Umsetzung seiner Art des Wahlkampfes älteren Genossen vor den Kopf gestoßen hat, bestreitet Schürmann gar nicht. "Aber ein Wahlkampf muss professionell geführt werden." Dazu gehört das Internet genauso wie der Stimmzettel zur Wahl. Dennoch wird Schürmann den persönlichen Kontakt zu potentiellen Wählern weiterhin – ganz traditionell – auch in der Fußgängerzone suchen. "Auf den Straßen-Wahlkampf werde ich nicht verzichten", kündigt er an.
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