Nettetal: Weisbrich hing am Glockenseil
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 18.08.2009Nettetal (RPO). Seit 20 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Nettetal und dem englischen Distrikt Fenland in der Grafschaft Cambridge. Ende August sind Fenlander hier zu Besuch. Viele Bürger haben enge Freundschaften geschlossen.
Am Anfang stand eine Irrfahrt durch den Grenzwald. Als im September 1986 eine kleine Delegation aus Fenland eine Schnuppertour an den Niederrhein machte, suchten Gastgeber und Gäste das neue Wasserwerk vergeblich. Das tat der ersten Kontaktaufnahme keinen Abbruch, denn im Frühjahr 1987 sah sich ein Nettetaler Quintett in dem Landstrich nördlich der Universitätsstadt Cambridge um. Diese Begegnung verlief so herzlich, erzählte der damalige Bürgermeister Karl Reulen, dass Landtagsabgeordneter Christian Weisbrich, damals Stadtdirektor, in der Kirche St. Wendreda in March "die Partnerschaftsidee durch festliches Geläute unters Volk zu bringen" versuchte. Der Part als Glöckner verlief unerwartet, denn plötzlich hing er wie ein Zombie am Glockenseil.
Verlobungszeit
In der Verlobungszeit besuchten sich Fenlander und Nettetaler eifrig. Eine große Delegation kam, mit historischen Kostümen im Gepäck, im September 1988 beispielsweise zur Tausendjahrfeier nach Lobberich. Vereine und Schulen nahmen Kontakt miteinander auf: die Kirchenchöre der evangelischen Gemeinde Kaldenkirchen und von St. Wisbech, die Schwimmer des TV Breyell und des Schwimmclubs Wisbech, Pfadfinder aus Nettetal und Doddington, die Feuerwehrleute aus Breyell und Wittlesey. Nachdem sich, so Reulen, "unsere Herzen zusammengefunden" hatten, wurde die Twinning-Urkunde 1969 offiziell zu Pfingsten in Fenland und im September in Nettetal unterzeichnet. Gleichzeitig erlebten die Fenlander das Schützenfest in Lobberich mit.
Fenland
Name Die Fens sind ein einstmals sumpfiges, heute weitgehend entwässertes Gebiet nordöstlich von Cambrigde mit intensiver Landwirtschaft. Teile des Landes liegen unter dem Meerespiegelniveau.
Städte "Hauptstadt" von Fenland ist Wisbech mit 20 000 Einwohnern. Weitere Orte sind March, Chatteris und Wittlesey. Der Distrikt hat rund 80 000 Einwohner.
Hereward Die Fens werden Hereward Country genannt, weil ein sächsischer Führer dieses Namens Widerstand gegen den Normannen Wilhelm der Eroberer leistete.
Den Anstoß zur Partnersuche hatte die zehn Jahre lang vorbereitete und 1983 besiegelte Verbindung zwischen dem Kreis Viersen und der Grafschaft Cambridge gegeben. Es fehlte jedoch der "Unterbau" in den Gemeinden. So kam Ely zu Kempen, Fenland zu Nettetal. Hier war man zunächst etwas zurückhaltend, war doch eine angestrebte Partnerschaft mit dem Städtchen Broadstairs an der Kanalküste Anfang der 1970er-Jahre wieder in die Brüche gegangen.
Inzwischen schon 33 Jahre alt ist die Partnerschaft des Werner-Jaeger-Gymnasiums mit der King's School in Peterborough, das östlich von Fenland liegt und beliebtes Ziel bei Besuchen in England ist. Jedes Jahr finden Besuche einzelner Schulklassen von hüben und drüben statt.
Ganz so eng sind die Beziehungen zwischen Fenlandern und Nettetalern nicht; das liegt auch daran, dass einige Gruppen nicht mehr bestehen. So löste sich jüngst der Flötenkreis der evangelischen Kirchengemeinde Kaldenkirchen auf, der oft in Wisbech zu Gast und hier im Gegenzug Gastgeber war.
Nicht nur offiziell
Ein "Selbstläufer" ist der Kontakt der Breyeller Feuerwehrleute zu den Kollegen in Wittlesey: Sie treffen sich auch oft außerhalb offizieller Partnerschaftstermine. Unterstützt wird die Partnerschaft durch die Partnerschaftsgesellschaft Fenland, deren Sprecherin Karla Hartogs ist. Dazu gibt es in etlichen Familien schon länger über die offiziellen Kontakte hinaus einige langjährige Freundschaften. FRAGE DES TAGES
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