Nettetal: Wenn der Mensch sich verliert
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 26.06.2008Nettetal (RPO). Curanum muss sich in den drei Nettetaler Häusern auf immer mehr Demenzkranke einstellen. In speziell hergerichteten Räumen und mit besonderen Therapien sollen alte Menschen ihre Erinnerung wiederfinden können.
Von den knapp 200 Frauen und Männern, die in den drei Curanum-Einrichtungen in Breyell, Kaldenkirchen und Lobberich gepflegt werden, sind etwa 60 Prozent an Demenz erkrankt. „Die Tendenz ist vor allem bei den Hochaltrigen steigend“, berichtet die Nettetaler Curanum-Chefin Lydia Berg. Entsprechend werden die Häuser ausgestattet und weiterentwickelt, „weil Demenzkranke die alltäglichen Abläufe und Aufgaben gerne in einer gewohnten Atmosphäre erleben und ausüben möchten“.
So ist in der Seniorenresidenz Lobberich ein „Erinnerungsstübchen“ mit vielen alten Bildern eingerichtet worden. Im Altenpflegeheim Breyell wurde eine „Küchenstube von anno dazumal“ nachgebaut, in der alle Bewohner ihre Mahlzeiten vorbereiten und essen können; außerdem ist der Wohnbereich „Regenbogen“ ein offener Bereich für demente Bewohner.
Curanum AG
Börse Das börsennotierte Unternehmen hat den Sitz in München. Das Grundkapital beträgt 32,6 Mio. Euro. Zu den Kapitaleignern gehören einige Finanzinvestoren.
Einrichtungen Zur Curanum AG gehören 66 Alten- und Pflegeheime in Deutschland und Österreich. Belegung: 86 Prozent, Umsatz 2007: 230 Mio. Euro.
Im Seniorenzentrum Kaldenkirchen hat man noch keine speziellen Namen für die Räume gefunden, die auf jeder der beiden Etagen für die Betreuung von dementen Bewohnern eingerichtet sind. Hier beschäftigen sich die Therapeutinnen Anne Buder und Melanie Tüffers mit Patient(inn)en. Sie versuchen, auf vielerlei Art ihre Erinnerungen zu wecken und sie wieder etwas in Bewegung zu bringen. „Mit den Methoden der basalen Stimulation erzielen wir viele kleine Erfolge“, freut sich Anne Buder.
„Wichtig ist, dass wir möglichst viel aus dem früheren Leben der Bewohner wissen“, fügt Melanie Tüffers hinzu. Denn dann kann die Betreuung noch besser auf den Einzelnen abgestimmt werden. Das versuchen sie von den Bewohnern selbst zu erfahren, soweit die noch davon berichten können. Danach fragen sie auch die Angehörigen oder Besucher aus dem Bekanntenkreis. „Erinnerungen tragen nämlich zumindest phasenweise zum Wohlbefinden, ja zum Glücklichsein bei“, unterstreicht Anne Buder.
Neben der Einzelbetreuung werden den Bewohnern regelmäßig Gedächtnistraining, Bewegungsübungen, Klönrunden, Singstunden und Rätselgruppen geboten. Ehrenamtliche Helfer machen mit Rollstuhlfahrern Ausflüge mit Einkehr in beliebten Cafés draußen in der Natur. Und wenn die Sonne scheint, können auf den Terrassen der Häuser mal Kaffee und Kuchen aufgetischt werden.
Zur weiteren Ausstattung ihrer Erinnerungszimmer sucht die Curanum-Leiterin Lydia Berg noch alte Küchengeräte wie Kaffeemühle oder Fleischwolf, schönes altes Geschirr und Decken und Tücher von früher (Kontakt: Tel. 02157 8740).
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