Nettetal: Wenn die Krise kommt
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.07.2009Nettetal (RPO). Im Nettetaler Rathaus wird ein "Stab für außergewöhnliche Ereignisse" gebildet. Der Rat hat zugestimmt, aber überzeugt sind nicht alle Stadtverordneten, dass das notwendig wäre. Erster Beigeordneter Schönfelder widerspricht.
SAE
Nicht neu Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) existiert bereits in zahlreichen Städten und Kreisen. Auslöser waren die Fußball-WM 2006 in Großstädten oder Krisen durch beispielsweise die Vogelgrippe, Unwetter/Überschwemmungen, schwere Unfälle, Großbrände und ähnliche Ereignisse.
Wir leben in unsicheren Zeiten, sagen Bürgermeister Christian Wagner und Erster Beigeordneter Armin Schönfelder. Darum wird im Rathaus ein "Stab für außergewöhnliche Ereignisse" gebildet. Der Rat hat dem Vorhaben zugestimmt. Allerdings haben, obwohl sie zugestimmt haben, nicht alle die Einsicht, dass sei unbedingt erforderlich. Viele ärgert außerdem, dass 10 000 Euro für Schulungen bereit gestellt werden.
Nicht jeder ist begeistert
Armin Schönfelder weiß das. "Selbst in meiner Fraktion ist nicht jeder begeistert", räumt das CDU-Mitglied ein. Er sieht aber keine Alternative: "Wir sind latent gefährdet", stellt er fest. Schönfelder zählt die Katastrophen alle auf: Vom Bahnunglück in Eschede bis hin zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Und in Nettetal habe man den Sturm "Kyrill" sowie den Pfefferspray-Anschlag in der Lobbericher Hauptschule gehabt. Die Frage, ob denn das Zusammenwirken von Stadt, Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen in solchen Fällen nicht mehr reiche, stellt sich Schönfelder nicht.
"Wir wollen untersuchen, wie die Infrastruktur in der Verwaltung für einen Katastrophenfall ist. Der Kreis hat das ja auch erkannt. Er bedient sich mit der Firma Infirmitas externen Sachverstandes", erklärt er. Die Verwaltung habe auch keinesfalls ein "neues Spielzeug für die eigene Wichtigkeit" entdeckt, wie Ratsmitglieder bereits spotteten. "Das Motiv und Aufgabenspektrum haben wir vielleicht nicht ausreichend kommuniziert. Möglicherweise wurden die verfügbaren Unterlagen auch nicht gesichtet", räumt Schönfelder ein.
Der Krisenstab werde keine neuen Parallelstrukturen schaffen. Vielmehr bearbeite die Verwaltung ihr eigenes Feld zur Bewältigung einer Aufgabe, zu der die Stadt verpflichtet sei. "Wir werden uns mit strategisch vorbereitenden Aufgaben befassen, zur Umsetzung sind die Einsatzkräfte gefordert. Wir werden beispielsweise Informationen auf städtische Ebenebündeln."
"Die Stadt hat keine andere Wahl"
Schönfelder ist sicher, dass die Stadt keine andere Wahl habe. Der Kreis fordere von den Gemeinden in einem akuten Krisenfall Informationen ein, die nicht erst dann umständlich beschafft werden sollten. "Was machen wir bei großen Unwettern, bei Tierseuchen, die es hier auch auch mehrfach gab, was bei großen Unfällen?" Nettetal werde sich auf jene "außergewöhnlichen Ereignisse" jetzt gewissenhaft vorbereiten.
Denn: "Nichts ist schlimmer in Krisenzeiten, als dass man denen nicht vertraut, die das Sagen haben." FRAGE DES TAGES
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