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Nettetal: Wenn Urlaub, dann günstig

VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 17.03.2009

Nettetal (RPO). Urlaub in Zeiten der Konjunkturkrise ist für Familien fast unerschwinglich geworden. 4000 Euro kann kaum jemand zahlen. Nettetaler Reisebüros verzeichnen Buchungszurückhaltung, Abstriche beim Komfort oder der Feriendauer.

Neben dem Auto als liebstem Kind ist das Reisen die zweite große Leidenschaft der Deutschen. Doch gerade letztere erleidet in Zeiten der Konjunkturkrise einen argen Dämpfer: Während die Abwrackprämie der Autobranche ordentlichen Absatz beschert, lahmt die Reisebranche wegen der Buchungszurückhaltung der Kunden. Insbesondere Familien mit Kindern ist der Sommerurlaub derzeit schlicht zu teuer. Das gilt auch für Nettetal, wie eine Umfrage der Rheinischen Post unter Reisebüros in Kaldenkirchen, Breyell und Lobberich ergab.

"Gerade Familien halten sich zurück und warten auf Angebote für den Sommer", sagt Wilfried Ulen, Inhaber des TUI Reisecenters in Kaldenkirchen. Im Moment sei hier auf dem Markt nichts zu holen. "Die günstigen Sachen sind weg." Ulen hat in den vergangen Monaten in seinem Reisebüro lediglich einen "minimalen Buchungsrückgang" festgestellt. "Wir profitieren hier in Kaldenkirchen von unseren niederländischen Kunden, die von der Konjunkturkrise nicht so betroffen sind", sagt er. Anfragen gebe es genügend. Doch für viele deutsche Familien sei ein Reisepreis von 3500 bis 4000 Euro für 14 Tage Sommerurlaub in der Hochsaison schlichtweg zu teuer.

Info

Konkurrenz

Internet Das Internet ist für die Reisebüro-Branche ein starker Konkurrent. Allerdings beobachten Wilfried Ulen wie Christoph Gerwin, dass Kunden wieder verstärkt Wert auf Beratung legen. "Etliche Kunden, die fremdgegangen sind, kehren zu uns zurück", so Gerwin.

Buchungsverhalten Dass sich Kunden online über Angebote informieren, aber lieber im Reisebüro buchen, hat Andrea Weegen beobachtet. "In Großstädten mag das anders sein", sagt sie. "Hier auf dem Land schätzt man Beratung und Preisvergleich vor Ort."

"Es sind die Familien, die uns fehlen", sagt auch Christoph Gerwin vom gleichnamigen Reisebüro in Breyell. Er nennt den gleichen Grund wie Wilfried Ulen: "Die Preise sind zu hoch." Für eine Familie mit zwei Kindern schlage ein Sommerurlaub mit rund 3600 Euro zu Buche – "das bedeutet, dass über den Zeitraum von zwölf Monaten jeden Monat 300 Euro für den Urlaub zurückgelegt werden müssen", rechnet Christoph Gerwin vor. "Welcher allein verdienende Familienvater kann das finanzieren?"

Keinen Rückgang bei Buchungen von Sommerreisen für Familien verzeichnet das Reisebüro am Park in Lobberich. "Uns ist aber aufgefallen, dass die durchschnittliche Urlauberfamilie stärker auf den Preis achtet", sagt Reiseverkehrskauffrau Andrea Weegen. Wird der Urlaub zu teuer oder droht dies, machen ihre Kunden lieber Abstriche beim Komfort oder reduzieren die Reisezeit.

Wenn Familien verreisen, sind günstige Länder gefragt. "Das Reiseziel richtet sich nach dem Preis", sagt Christoph Gerwin. Das bestätigt auch Wilfried Ulen: "Buchen über den Preis", nennt er die Form der Urlaubsfindung vieler seiner Kunden. Bulgarien, Türkei, Tunesien, Mallorca sind aus diesem Grund bei Familien gefragte Reiseziele. Abgeschlagen, weil teuer sind Italien, Kroatien, Portugal, Griechenland. Zuversichtlich zeigt sich Wilfried Ulen, dass der Verkauf der Sommerreisen noch nicht gelaufen ist. "Wir gehen davon aus, dass die Reiseveranstalter auf die Buchungszurückhaltung reagieren und in Kürze mit neuen Angeboten reagieren." Ab April, so schätzt Ulen, könnte es so weit sein. FRAGE DES TAGES/KOMMENTAR

Quelle: RP

 
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