Nettetal: Werden Brötchen bald teurer?
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 25.10.2008Nettetal (RPO). Hohe Energiekosten und der Tarifabschluss im Bäckerhandwerk sorgen dafür, dass die Preise für Backwaren zum Jahresende noch einmal steigen könnten. Die kleineren Bäckereien in Nettetal sind noch zurückhaltend.
Als Willi Stinges kürzlich in Hamburg unterwegs war, hat er bemerkt, dass die Brötchen am Niederrhein deutlich billiger sind. „In Hamburg aber auch in Süddeutschland kostet ein Brötchen schon weit über 30 Cent“, sagt Willi Stinges. So viel müssen die Verbraucher in dieser Region noch nicht zahlen – gleichwohl das Rheinische Bäckerhandwerk schon angekündigt hat, dass es zum Jahresende noch einmal zu Preiserhöhungen bei Brot und Brötchen kommen könnte.
Willi Stinges hat schon reagiert. Er führt die Landbäckerei Stinges aus Brüggen mit seinem Brüder Leo in der fünften Generation. Rund 80 Filialen unterhält Stinges zwischen Schwalm, Nette, Maas und Niers. Seit Anfang der Woche kosten die Brötchen in den Filialen 28 Cent. „Das ist eine moderate Erhöhung um einen Cent“, sagt Willi Stinges.
27 Cent im Schnitt
Durchschnittspreis In NRW kostet ein Brötchen im Schnitt 27 Cent.
Umsatz Laut Rheinischem Bäckerhandwerk machen Brötchen rund ein Viertel des Umsatzes bei Bäckereien aus.
Steigerung Für die Verbraucher ist Brot in den vergangenen zwölf Monaten um 7,3 Prozent teurer geworden.
Kleine Bäckereien Die Zahl ist von einst 30 000 auf derzeit noch 14 000 gesunken.
Lohnerhöhung als Belastung
Der Branchenverband rechnet im Schnitt mit einer Preissteigerung von drei Prozent. Ein Grund dafür liegt im gerade erzielten Tarifabschluss des Bäckerhandwerks. „Die 4,1 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten sind verdient“, räumt Stinges ein. Vor dem Hintergrund allerdings, dass die Personalkosten bis zu 52 Prozent der Betriebskosten einer Bäckerei ausmachen, bedeutet der Tarifabschluss eine erhebliche finanzielle Belastung.
Die spüren die kleineren Bäckereien mit weniger Angestellten freilich nicht so extrem wie Stinges mit seinen rund 800 Mitarbeitern. Die gestiegenen Energiekosten indes machen der gesamten Branche zu schaffen. „Früher habe ich 1300 Euro an Energie pro Monat für die Backstube gezahlt, binnen weniger Monate ging das auf 1800 Euro rauf“, erzählt Bäcker Ernst Göbbels. Seine Brötchen in den Filialen in Lobberich und Breyell kosten derzeit 28 Cent. „Mal abwarten“, sagt Göbbels auf die Frage, ob auch er die Preise erhöhen wird.
Ähnlich zurückhaltend äußern sich auch andere Bäckereien aus Nettetal. „Eigentlich hätten wir die Preise schon längst anheben müssen“, sagt Ursula Didden, die mit ihrem Mann die gleichnamige Bäckerei in Schaag führt. Die Bäcker trauen sich aber nicht. „Alle haben Angst, die Preise zu erhöhen“, sagt Ernst Göbbels. Wer die Brötchen teurer macht, muss mit den Folgen rechnen. „Die Kunden bleiben dann weg“, sagt Franz Dückers, Bäcker aus Leuth. „Als wir im vorigen Jahr die Preise erhöht haben, wurden wir zum Teil beschimpft“, erzählt Ursula Didden.
Enormer Wettbewerb
Hinzu kommt der enorme Wettbewerbsdruck in der Branche. „Inzwischen hat jeder Supermarkt eine Bäckerei. Wer kommt denn dann für zwei Brötchen noch in die Fußgängerzone“, fragt sich ein Bäcker. Die Großbäckereien und größere Filialbäckereien machen mehr als 80 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche aus. Da ist es für die kleineren Betriebe ein schwacher Trost, dass auch die Backwaren beim Discounter um zwei bis drei Prozent teurer werden sollen. FRAGE DES TAGES
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