Nettetal: Wie Kinder Rinde zum Schwimmen bringen
VON ANITA HOLTERMANN - zuletzt aktualisiert: 07.08.2010Nettetal (RPO). Mit kleinen weißen Eimern ausgerüstet, eilen die Kinder in das angrenzende Waldstück. Sie suchen alles, was in den Augen der Kinder den Anschein erweckt, es könnte sich über Wasser halten. Der Weg in den Wald ist holprig, aber kaum sind sie angekommen, verteilen sie sich. Zu zweit oder zu dritt kann die Suche beginnen. Rasch sind die ersten Stöckchen und Rindenstücke gefunden. Blätter, die als Segel dienen sollen, finden ihren Platz in den schnell gut gefüllten Eimern. "Ich habe hier schon vier Segel drin, drei große und ein kleines", berichtet Joshua stolz seinem Partner Tobias auf dem Rückweg.
18 kleine Baumeister zwischen fünf und acht Jahren basteln auf dem Naturschutzhof kleine "Nussschalen". Der Bootsbauwettbewerb ist Teil des Sommerferienprogramms des Naturschutzbundes. "Für mich sind inzwischen viele bekannte Gesichter dabei", erzählt Wiebke Essmann, Leiterin des Naturschutzhofes.
Tatsächlich sind schon einige Experten dabei, die bereits im letzten Jahr Boote zu Wasser gelassen haben. Zum Beispiel Ole, der recht fachmännisch an seine Aufgabe herangeht. Andere kennen die Betreuer von den weiteren Sommeraktionen. Viele Kinder kommen gerne wieder, wenn sie einmal auf dem Naturschutzhof waren.
Für alle heißt es aber nach der Suche: Ran an die Werkzeuge und der Fantasie freien Lauf lassen. Nach einer kurzen Einweisung in die Werkzeuge geht es voller Tatendrang an die Arbeit. Mit Hammer, Säge, Bohrer, Zange, Nägel, Draht und Korken bearbeiten die Kinder ihre Fundstücke. Wenn etwas einmal nicht so gelingt, wie die kleinen Handwerker es sich wünschen, stehen Betreuer mit Rat und Tat zur Seite.
Als den ersten Kindern die Ideen für ein Boot ausgehen, greift Essmann ihnen unter die Arme. Sie schlägt vor, ein Floß zu bauen. Die Idee zündet. Schnell werden einige Weidenzweige herbeigeholt. Während die einen ihr Floß beginnen zu flechten, haben andere ihr Boot bereits schwimmtauglich zusammen gebastelt. "Ich bin als Erster fertig", verkündet Jacob stolz. Er trägt sein Boot hoch erhobenen Hauptes zum Teich. Leider muss er nach der Probefahrt zugeben, dass sein Boot Schlagseite bekommt und auf dem Wasser zur Seite kippt. Also sind noch kleine Veränderungen vornehmen. Jacob nimmt das aber sportlich: "Dann bin ich halt beim Bauen Erster und beim Wettfahren Letzter."
Letzte Korrekturen
Viele andere beginnen nun auch ihre Probefahrt oder arbeiten noch an letzten Schönheitskorrekturen. Auf diese Weise entstehen sogar Boote mit Anker oder Kojen für die Besatzung. Auch Tonnen aus Korken für Ersatzkleidung und Wertsachen sind inzwischen auf den Flößen zu finden. Nach gut zwei Stunden sind alle Konstrukteure mit ihren Werken zufrieden. Nun probieren auch die Letzten aus, ob ihr Boot auch wirklich schwimmt. Joshua und Tobias sind sehr gespannt. Die beiden haben eine Kordel an ihrem Boot befestigt, damit es nicht wegschwimmen kann. Nach kurzer Fahrt ist klar: "Das Segel brauchen wir nicht, das geht zu schnell kaputt, und das Boot schwimmt auch ohne."
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