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Nettetal: Wochenmarkt am alten Markt

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.12.2010

Nettetal (RPO). Die Stadt hat das Experiment mit dem zweiten Wochenmarkt in Lobberich verlängert. Die Händler halten dies für richtig, klagen aber über fehlende Informationen. Und sie haben festgestellt, dass dienstags häufig andere Kunden als freitags zu ihnen kommen.

Maria Radmacher verkauft gerne Waren auf dem Wochenmarkt. Die augenblickliche Kälte macht ihr nichts aus. "Gekühltes Fleisch hält sich länger, ich sehe deswegen zwanzig Jahre jünger aus", grinst sie.  Foto: RPO
Maria Radmacher verkauft gerne Waren auf dem Wochenmarkt. Die augenblickliche Kälte macht ihr nichts aus. "Gekühltes Fleisch hält sich länger, ich sehe deswegen zwanzig Jahre jünger aus", grinst sie. Foto: RPO

Es ist eisig kalt. Auf dem "neuen alten Markt" liegen noch Bäumchen vom Adventmarkt des Wochenendes. Wie eine Wagenburg haben die Betreiber des Wochenmarktes Wagen und Stände vor dem alten Rathaus aufgebaut. Nur wenige Kunden betrachten die Auslagen, fragen und nehmen frisches Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse oder auch Käse mit.

Seit September experimentiert die Stadt mit dem Wochenmarkt. Beheimatet ist er auf der von-Bocholtz-Straße in der Fußgängerzone. Da bleibt er auch freitags, nur dienstags ziehen die Händler um zum alten Rathaus. Den Test hat die Stadt bis zum Jahresende verlängert. Denn wirkliche Erkenntnisse gab es nicht. "Von neun Dienstagen, an denen wir hier stehen, hat es an sieben geregnet", erinnert sich Konrad Moors.

Info

Wochenmärkte

Seit September gibt es in Lobberich den zweiten Markttag – vielleicht ein Erfolg. "Der Markt hier kommt", meint Maria Radmacher (Grenzlandhuhn).

Information Ältere Kunden kennen sich aus, das Mittelalter ist selten Kunde. Dagegen kommen mehr junge Leute, die sich gerne beraten lassen.

Familie mit Markttradition

Der Gemüse- und Obsthändler aus Bracht-Börholz hat schon als elfjähriger Junge 1955 an der Seite seines Vaters im Verkaufsstand gearbeitet. Begonnen hat der Großvater 1928 mit einem Marktstand. Und die vierte Generation steht mit Markus Moors probeweise an der Seite des 66-jährigen Vaters. Er will mit Beginn des neuen Jahres selbst ins Marktgeschäft einsteigen.

Schräg gegenüber hat "Frans de Kaasboer" aus Herten bei Roermond wenig zu tun. Wenn man zwischen 7.30 und 13 Uhr auf Kunden wartet, wird man Philosoph. Frans sinniert über alles. "Die Leute sagen immer: Schade, dass es nicht mehr so ist wie früher. Ja, woran liegt das denn? Die gucken nur auf Preise, nicht auf die Qualität. Der Krebs beginnt mit Essen, aber billig muss es sein."

Frans bezieht seinen Käse aus Friesland, wo noch 82 Prozent Milchfett zugelassen werden. Verächtlich winkt er ab, wenn er an Billigprodukte denkt. "Die kommen auf knapp über 40 Prozent. Das sind Mixturen, aber kein richtiger Käse."

Ob er dauerhaft bleibt, weiß Frans nicht. Er spricht aus, was andere offiziell nicht sagen wollen: "Wie die Stadt hier mit uns umgeht – das gehört sich nicht. Sie lässt uns im Ungewissen, ob und wie es weitergeht. Das macht man nicht. Wir sind solide Geschäftsleute und keine Bettler." Neun Tonnen Käse vermarktet Frans jährlich. Das reicht ihm, um gut zu leben.

Maria Radmacher verkauft Geflügel für das "Grenzlandhuhn" von Oliver Jansen aus Breyell. Sie berät Kundinnen gerne und fachkundig und liebt überhaupt den Kontakt. "Bei uns ist alles persönlicher. Im Supermarkt sind Kunden meist gehetzt und oft schlecht gelaunt." Marlene Gussen wohnt in der Marktstraße. Sie freut sich, dass dienstags der Wochenmarkt hier stattfindet. "Ich kaufe gerne auf dem Markt ein, weil ich gute Produkte bekomme", sagt sie. Maria Radmacher bestätigt, was Kollegen berichten: "Wir haben dienstags hier andere Kunden als freitags an der von-Bocholtz-Straße." Ältere Leute lieben den kürzeren Weg.

Wenige Schritte weiter packt Alisha Kruijsen (22) Lachsfilet für eine Kundin ein. Die Venloerin hat den kältesten Job. Ihre Ware liegt auf Eis, und es friert. "Ich mache es gerne", sagt sie. Seit 4.30 Uhr ist sie auf den Beinen – jeden Wochentag. Allerdings sei es sehr schwer, frischen Fisch in Lobberich zu verkaufen. "Ich könnte mehr frische Ware ausbreiten, aber das hat keinen Sinn." Wie Kaasboer Frans verzweifelt sie fast ein wenig daran, wie wenig Wert auf Lebensmittel gelegt wird.

Quelle: RP

 
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