Nettetal: Zaubernd Hoffnung bringen
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 28.07.2009Nettetal (RPO). Friedel Plöger ist Nettetals neuer Streetworker. Der 53-Jährige hat einen Anspruch: Jugendliche in ein
geregeltes Leben und in Arbeit zu bringen. In richtige, die eine Ausbildung erfordert. Nicht in irgendeinen Job.Friedel Plögers Büro ist ein Durchgangszimmer mit zwei Türen. Das passt zu einem, der ständig auf Achse ist. Friedel Plöger ist Nettetals neuer Streetworker. Sein eigentlicher Arbeitsplatz ist die Straße. Er geht raus, um Jugendlichen mit immensen Problemen Türen für die Zukunft öffnen.
Der Jugendarbeiter tut das aus Überzeugung. "Nur liebe nette Jugendliche zu bespaßen, ist nicht mein Ding", sagt er. Der 53-Jährige ist seit April zweiter Streetworker für Nettetal neben Marie-Luise Hellekamps. Plöger kennt seine Jugendlichen nach vier Monaten schon ziemlich genau. "Ich hatte einen guten Start und schon viele Kontakte." Stunden hat er mit den Jugendlichen draußen verbracht und geredet. Auf Parkbänken oder unter ihren Unterständen hat er sich zu ihnen gesellt, um sich bekannt zu machen und etwas über ihre Probleme zu erfahren. "Die Bandbreite reicht vom fehlenden Schulabschluss bis zur Drogensucht", bilanziert Plöger. Daraus resultieren oft mannigfache Schwierigkeiten, das Leben zu meistern.
Die beiden Streetworker möchten die Trostlosigkeit dieses Alltags durchbrechen. Plöger setzt dabei auf drei Aspekte: zuhören, eine sinnvolle Freizeitgestaltung statt Abhängen anzubieten und die Jugendlichen bei der Suche nach einem Weg in ein anderes Leben zu unterstützen. Beispielsweise bei der Suche nach einer Arbeit.
"Viele brauchen eine mutmachende Instanz, die ihnen Rückhalt gibt", sagt Plöger. Er will dies gemeinsam mit Marie-Luise Hellekamps sein. "Die Jugendlichen sollen sich mit unserer Hilfe in eine andere Lebenswirklichkeit bringen", sagt er. Eine mit einem geregelten Tagesablauf, mit einer Arbeit, mit einer Perspektive. Plöger hat einen Anspruch.
"Es gibt Konzepte, die diese Jugendlichen klar für Hartz IV machen", sagt er. Das ist dem 53-Jährigen zu wenig. Er möchte sie in Arbeit bringen. Nicht in irgendeinen Job als Burgerbräter, im Schlachthof oder als Packer. "So was bekommen sie immer", sagt Plöger. Er ermutigt Jugendliche, ihren Schulabschluss zu machen oder nachzuholen und eine Ausbildung zu absolvieren. Im besten Falle klappt das. Viele der von ihm Betreuten haben nach dem, was Friedel Plöger "ein bürgerliches Leben" nennt, eine diffuse Sehnsucht. "Die meisten wollen arbeiten, finden aber nichts."
Für die, die wollen, engagiert er sich, sucht den Kontakt zu Betrieben, in der Hoffnung auf ein Praktikum oder eine Ausbildungstelle. In dem Wissen, dass sich auch dann nicht alles automatisch in Wohlgefallen auflöst. Streetwork ist auch Geduld. "Man muss die Balance halten zwischen Druck ausüben und Freiheit lassen", sagt Friedel Plöger. "Und wenn einer das Handtuch wirft, muss man es immer wieder aufheben."
Manchmal ist alles vergebens. Was dann? "Den Jugendlichen, die nie eine Lehrstelle bekommen, muss man ihre Würde lassen", sagt der Streetworker.
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