Nettetal: Zivis werden knapp
VON ROBERT RIST - zuletzt aktualisiert: 13.11.2009Nettetal (RPO). Die geplante Verkürzung des Wehrdienstes von neun auf sechs Monate bereitet vielen sozialen Einrichtungen jetzt schon Kopfschmerzen. Schulungs- und Einsatzzeit stehen dann in einem kaum tragbaren Verhältnis.
Geschichte des "Zivis"
Einführung der Wehrpflicht: 18. März 1956. Am 10. März 1961 treten die ersten 340 anerkannten Kriegsdienstverweigerer ihren damals zwölfmonatigen Dienst an
Dauer 20 Monate bis 1990, 15 bis 1995, 13 bis 2000, 11 bis 2002, 10 bis 2004, neun seit 2004
Zahl in den 90er Jahren über 100 000 besetzte Stellen bis hin zu 140 000 im Jahr 1999. Seit der Verkürzung der Wehrpflicht geht die Zahl zurück, derzeit sind es 76 084.
Sie fahren kranke und behinderte Menschen zu Arztterminen, sie waschen alte Menschen oder sind Hausmeister eines Kindergartens. Zivildienstleistende sind in vielen sozialen Einrichtungen nicht mehr wegzudenken. Laut Bundesamt für den Zivildienst gibt es im Kreis Viersen 130 Stellen mit 437 Plätzen von denen derzeit 331 besetzt sind. Die Zahl der vom Volksmund Zivis genannten sozialen Helfer wird aller Voraussicht schrumpfen. Grund dafür ist der Gesetzentwurf der neuen schwarz-gelben Regierung zum 1. Januar 2011 den Wehrdienst von neun auf sechs Monate zu reduzieren.
Drei Monate jährlich improvisieren
"Wir haben schon die Zahl unserer Zivildienstleistenden nach der Verkürzung des Wehrdienstes auf neun Monate erheblich reduziert", erklärt Norbert Peffer, Pflegedienst- und Betriebsleiter vom städtischen Krankenhaus Nettetal. "Grund dafür sind die Lücken bei der Besetzung von Stellen. Wir hatten schon bei der Verkürzung auf neun Monate Probleme.
Drei Monate müssen wir pro Stelle im Jahr improvisieren." Von den ehemals 15 Stellen gibt es nur noch acht. Das Krankenhaus hat sich beholfen, in dem man behinderte Menschen vom heilpädagogischen Zentrum für Material- und Essens-transporte auf dem Gelände einsetzt. Beim Naturpark Schwalmtal-Nette absolvieren übers Jahr verteilt vier Zivis ihren Dienst.
Rolf Müller ist zuständig für Zivildienstleistende und stellvertretender Geschäftsführer. Er sieht Probleme beim Kosten-Nutzen-Verhältnis. "Unsere Zivis werden in den Naturparkzentren eingesetzt und brauchen eine intensive Schulung." Bei insgesamt nur sechs Monaten Einsatz rentiert sich ihr Einsatz kaum noch: "Die Verkürzung wäre für uns sehr problematisch."
Gerold Eckardt ist Geschäftsführer beim Allgemeinen Krankenhaus Viersen – wo derzeit 15 Zivis tätig sind. "Je kürzer die Einsatzzeit, desto häufiger stellt sich die Frage: Lohnt sich überhaupt noch der Einsatz von Zivildienstleistenden?" Seine Vermutung: dass es wohl nicht bei der geplanten Änderung bleiben wird. Er gibt zu bedenken: "Neben der Schulungszeit bekommen die Zivis ja auch noch so genannte staatsbürgerliche Seminare, sie sollen ja etwas lernen."
Für Norbert Peffer vom Nettetaler Krankenhaus ist klar, "wenn die Gesetzesänderung in Kraft tritt, werden wir uns überlegen, ob der Einsatz von Zivis überhaupt noch Sinn hat und wie ihre Arbeit auf andere Schultern verteilt werden kann." Zudem ist er sicher, dass "die sozialen Zivildienstleister der Gesellschaft fehlen werden: Sowohl als Arbeitskräfte als auch als Impulsgeber. Nach meiner Erfahrung setzen sich viele junge Männer erst nach dieser Erfahrung mit ihrem Leben auseinander". KOMMENTAR/ FRAGE DES TAGES
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