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Nettetal: Zwischen Angst und Hoffnung

VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 17.06.2009

Nettetal (RPO). Viel Zuspruch von Kunden und ehemaligen Kollegen und auch einen Solidaritätsbesuch der Politik erhielten die Lobbericher Hertie-Beschäftigten am Dienstag bei ihrem Aktionstag "Rettet Hertie – rettet die Innenstädte".

Die Hertie-Mitarbeiter Uwe Reski, Karin Stieger, Eva Waldoch und Renate Vogel (vor dem Schaufenster) sammelten gestern Unterschriften und erhielten viel Zuspruch von Kunden und der Politik.   Foto: RPO
Die Hertie-Mitarbeiter Uwe Reski, Karin Stieger, Eva Waldoch und Renate Vogel (vor dem Schaufenster) sammelten gestern Unterschriften und erhielten viel Zuspruch von Kunden und der Politik. Foto: RPO

Ihr Kampf ist still, fast sanft. Kein Trillerpfeife n-Getöse, keine Menschenkette, keine riesigen Plakate. Betriebsratsvorsitzende Karin Stieger hat sich mit ihren Kollegen Eva Waldoch und Uwe Reski hinter zwei knallroten Stehtischen postiert. Direkt neben dem Eingang von Hertie in Lobberich wirken die drei fast wie ein Empfangskomitee. Wären das nicht die Unterschriftenlisten, die für die Kunden bereit zum Ausfüllen liegen. Wären da nicht die Buttons, die die drei an ihre adrette Dienstkleidung geheftet haben: "Ich bin ein Heuschreckenopfer." Karin Stieger spannt die Schultern und sagt: "Wir möchten unsere Häuser retten." "Und unsere Arbeitsplätze", ergänzt Eva Waldoch entschlossen.

Info

Protest

Aktion Rund 2600 Hertie-Mitarbeiter demonstrierten gestern für den Erhalt des Warenhauses

Motto "Es ist fünf nach 12" – dann startete bundesweit die Aktion, in Lobberich aber eine Stunde früher

Es fließen keine Tränen, wie bei den Protesten der Kollegen in Rheine. In Lobberich beginnt die Aktion eine Stunde früher als in den übrigen Häusern. Freundlich und pragmatisch. Es ist nicht der Tag der großen Reden. Die Betriebsratsvorsitzende sagt: "Wenn wir jetzt kämpfen, können wir später nicht sagen, wir hätten es nicht versucht."

Das Gespenst Arbeitslosigkeit

Karin Stieger, Uwe Reski und Eva Waldoch haben Angst, und sie haben Hoffnung. Ein kleines bisschen zumindest. Die Furcht vor der Arbeitslosigkeit treibt sie in Aktion, lässt sie Kunden ansprechen, die an diesem ruhigen Morgen nicht in Massen Richtung Kaufhaus streben. Die drei hier draußen teilen ihre Furcht mit 17 Kollegen, die im Warenhaus weiter verkaufen, als wäre es ein ganz normaler Geschäftstag. "Aber die Kollegen drinnen sammeln an den Kassen auch Unterschriften für den Erhalt von Hertie", so Stieger. Den Betrieb ihres Hauses lahmlegen, nein, das möchten die 20 Hertie-Mitarbeiter nicht, sagt die Betriebsratsvorsitzende. Auch nicht für 45 Minuten. So lang dauert die vom Hertie-Gesamtbetriebsrat organisierte Aktion. In Lobberich wollten sie 30 Minuten mit Kunden ins Gespräch kommen, bleiben letztlich aber viel länger draußen stehen.

Das liegt wohl auch an der Atmosphäre. ver.di-Gewerkschaftssekretär Klaus Glier unterstützt sie vor Ort. Außerdem schauen Bürgermeister Christian Wagner, SPD-Bürgermeisterkandidat Christian Schürmann, Wirtschaftsförderer Dietmar Sagel und Ortsvorsteher Harald Post vorbei. Freundlich schenken die Kunden den mittlerweile vier Hertie-Mitarbeitern ihre Solidarität und ihre Unterschrift. Mit Renate Vogel steht jetzt auch die dienstälteste Hertie-Mitarbeiterin des Lobbericher Warenhauses vor der Tür. Man kennt die Kunden, die da kommen.

Viele ehemalige Hertie-Mitarbeiterinnen sind darunter. "Ich fühle mich verbunden und möchte, dass das Haus bestehen bleibt", sagt Lucia Kath, als sie ihre Unterschrift auf die Liste setzt. "Ich habe unterschrieben, aber viel Hoffnung habe ich nicht", sagt Christel Inderhees. Stattdessen spürt sie Zorn auf die Verantwortlichen und deren Umgang mit den Mitarbeitern. Und doch sagt sie rückblickend auf 16 Hertie-Jahre: "Ich habe hier gern gearbeitet."

Quelle: RP

 
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