Nettetal: Zwischenzeitlich geschlossen
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009Nettetal (RPO). Einzelne Stationen des Krankenhauses arbeiten hart an der Kapazitätsgrenze. Sie melden sich selbstständig als belegt bei der Kreisleitstelle ab. Dieses Verfahren stellt die Krankenhausleitung nun auf den Prüfstand.
Krankenhaus
Kapazität Das Nettetaler Hospital kann 210 Patienten aufnehmen.
Auslastung Derzeit sind nach Aussage von Norbert Peffer 204 Betten belegt bzw. blockiert.
Als Erika Heck gestern die Zeitung aufschlug, traute sie ihren Augen kaum: "Keine Überbelegung am Nettetaler Krankenhaus" las die Kaldenkirchenerin. Just in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte sie das Gegenteil erlebt, erzählte Erika Heck aufgebracht der RP. Weil ihr Onkel einen schweren Asthma-Anfall hatte, riefen sie und ihr Mann den Notarzt. Das Rettungsteam brachte den Kranken ins Hospital. Allerdings nicht ins nahe Lobbericher, sondern ins fast doppelt so weit gelegene, 16 Kilometer entfernte Süchtelner Krankenhaus. "Die Sanitäter haben sofort gesagt: ,Lobberich ist überbelegt. Wir müssen nach Süchteln'", erinnerte sich Erika Heck. Umso mehr erboste sie die Erklärung aus dem Krankenhaus, es gebe keine Überbelegung. Für Erika Heck steht fest: Ihr Onkel wurde in Lobberich wegen Überfüllung nicht aufgenommen.
Bei der Leitstelle abgemeldet
Tatsächlich standen die internistischen Betten des Nettetaler Krankenhauses von Sonntag, 9.30 Uhr, bis Montag, 8 Uhr, für Notfallpatienten, die mit dem Rettungsdienst kamen, nicht zur Verfügung. Das Krankenhaus hatte sich bei der Leitstelle des Kreises für diesen Bereich abgemeldet, bestätigte Kreispressesprecher Kaspar Müller-Brinkmann auf Anfrage.
Norbert Peffer, Pflegedienstleiter am Nettetaler Krankenhaus, korrigierte gestern gegenüber der RP seine Aussage vom Wochenanfang: "Einzelne Abteilungen hatten sich in den vergangenen Wochen zum Teil abgemeldet. Damit wollen wir uns Kapazitäten freihalten." Diese Betten seien für Patienten vorgesehen, die selbstständig das Krankenhaus aufsuchen. "Wir haben nur noch eine kleine Reserve", so Peffer.
Fehlende Kommunikation?
Dass sich Krankenhäuser bei der Kreisleitstelle vorübergehend abmelden, wenn die Intensivstation oder andere Bereiche komplett belegt sind, sei gängige Praxis, betonen Müller-Brinkmann wie Peffer. Im Nettetaler Krankenhaus entscheiden der diensthabende Oberarzt und der Assistenzarzt, wann ihr Bereich der Leitstelle als "belegt" gemeldet wird. In der jüngsten Zeit geschah dies offensichtlich, ohne dass die Krankenhausleitung oder die Pflegedienstleitung davon Kenntnis bekamen. "Dieses Verfahren werden wir überprüfen", kündigte Peffer an. Heute wird sich die Krankenhausleitung des Themas annehmen.
Erika Hecks Onkel kam im Süchtelner Krankenhaus unter, obwohl sich bei Ankunft des Rettungswagens auch dieses Hospital als überfüllt herausstellte. Er liegt jetzt als vierter Patient auf einem Drei-Mann-Zimmer. Die Nichte ist empört darüber, dass dem 87-Jährigen der längere Krankentransport letztlich für nichts zugemutet wurde. "Die Behandlung, die mein Onkel in Süchteln erhalten hat, hätte er auch in Lobberich bekommen können", sagt sie. FRAGE DES TAGES
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