Viersen: 25 Jahre Festival, Silber für Ali
VON DIETER MAI - zuletzt aktualisiert: 24.09.2011Viersen (RP). Zur Überraschung des Preisträgers verlieh die Stadt Viersen am Donnerstagabend dem "Motor" des Jazzfestivals die silberne Stadtplakette. Ali Haurand sei stets ein Musiker ohne Starallüren geblieben, hieß es in der Laudatio.
Bevor auch nur ein Ton gespielt war, erlebte das 25. Internationale Jazzfestival Viersen seinen ersten Höhepunkt. Unter den Ovationen des Publikums erhielt der "Grandseigneur des Viersener Jazz", der langjährige musikalische Direktor des Festivals und Jazzbassist von Weltrang, Ali Haurand, die Stadtplakette in Silber.
Dieser Programmpunkt war vorher nicht angekündigt. Erste Hauptperson auf der Festhallenbühne war am Donnerstagabend nicht der US-Posaunist Trombone Shorty, sondern ein sichtlich überrumpelter Ali Haurand. Der Plan, die beschlossene Ehrung des Musikers vor dem Preisträger selbst geheim zu halten, war offensichtlich aufgegangen. Als Gastgeber Tobias Kremer Ali Haurand auf die Bühne bat, sprach der fragende Gesichtsausdruck des Musikers Bände. Als dann noch der zweite stellvertretende Bürgermeister Viersens, Ozan Atakani, erschien und den Anlass für das feierliche Prozedere verriet, wirkte der sonst stets schlagfertige Jazzer für einen Moment fast geschockt.
Haurand und der Jazz
Ali Haurand, 1943 in Viersen geboren, besuchte in seiner Jugend den Jazz-Club "Zwiebel" in Dülken. Der Bassist studierte an der Folkwang-Hochschule in Essen und der Rheinischen Musikhochschule. Er gründete das European Jazz Ensemble, eine Art Musikerpool, das in wechselnden Besetzungen weltweit auftritt. Seit 1987 leitet er das Jazzfestival in Viersen, 1992 entstand auf seine Initiative der Jazz-Circle, der Konzerte im Weberhaus Süchteln organisiert.
Gelegenheit, sich von diesem unerwarteten Schreck in der Abendstunde zu erholen bot sich für Haurand im Anschluss, als Ozan Atakani in seiner Laudatio die Verdienste des Musikers um den Jazz und um die Bereicherung des kulturellen Lebens seiner Heimatstadt ausführlich würdigte. Ohne Haurand, so Atakani hätten weder ein Chick Corea oder Kenny Wheeler noch ein Freddie Hubbard und Mike Mainieri jemals einen Fuß in die Festhalle gesetzt.
Der Ruhm sei dem Mann am Bass nie zu Kopf gestiegen: Ali Haurand kenne keine Starallüren, er sei bei allem Ansehen und Erfolg Mensch geblieben. Wenn er keine Verpflichtungen habe, treffe man ihn beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt. Auch das Ankleben von Plakaten übernehme er immer noch gerne selbst. Besonders hoch anzurechnen sei, dass Haurand, trotz erlangter Weltgeltung als Jazzmusiker, seiner Heimatstadt Viersen niemals den Rücken gekehrt habe. Üblicherweise werde zunächst die Stadtplakette in Bronze verliehen, angesichts Haurands herausragender Verdienste habe sich der Rat der Stadt jedoch einstimmig für die sofortige Auszeichnung mit der silbernen Plakette entschieden.
Unter dem herzlichen Beifall des Publikums bedankte sich der so Geehrte mit wenigen Worten. Er erwähnte einmal mehr sein wichtigstes Anliegen, der "dritten Sprache der Musik" Gehör zu verschaffen und kam auch schon zum Ende, denn schließlich, so Ali Haurand, "soll ja jetzt die Musik losgehen!"
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