Viersen: 3500 Pfeifen fürs Münster
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.04.2008Viersen (RPO). Es ist der letzte Akt einer langen Geschichte. „Rettet das Münster“ hieß es vor fast 20 Jahren in Mönchengladbach. Das ist in wenigen Wochen geschafft, wenn die Orgel, die gerade eingebaut wird, wieder richtig schön klingt.
Die kleinste ist kaum länger als ein Bleistift, die längste etwa doppelt so hoch wie Markus Heim. Der ist Österreicher, Orgelbauer und Herr über 3500 Pfeifen jeder Größe und 43 Register. Seit drei Wochen kraxelt der 28-Jährige auf der Empore im Westwerk der Basilika herum – unter gleißenden Scheinwerfern und zwischen Millionen Einzelteilen, aus denen er die Orgel des Münsters wieder zusammenbaut. Fast acht Jahre, während die Kirche restauriert wurde, war das Instrument eingelagert – ein Teil im Keller des Brunnenhofes, der größere Teil im Lager der Orgelfirma Ringer im österreichischen Schwarzach. Jetzt ist alles wieder da, frisch gereinigt und bereit, zu erklingen. Doch das wird noch eine Weile dauern. Ende des Monats soll das Rieger-Instrument komplett rekonstruiert sein, einen Monat brauchen Heim und seine Kollegen dann noch, um den enormen Klangkörper zu stimmen.
Noch einmal spenden
166 000 Euro kosten die Rekonstruktion der Orgel.
Heinz Oberlack hofft noch einmal auf Spenden. Dazu empfiehlt er den Kauf des Buches „Gemaltes Licht – Die Fenster der Münster-Basilika“ von Wolfgang Johann.
Kaufpreis 15 Euro. Der Erlös ist komplett für das Münster
Die Werbetrommel gerührt
Als das Münster bröckelte, war Dr. Heinz Oberlack zur Stelle. Er rief den Münsterbauverein ins Leben und rührte die Werbetrommel für das sakrale Wahrzeichen der Stadt. Das war 1989. Seitdem hat der Verein mehr als sechs Millionen Euro in die Restaurierung des Gotteshauses gesteckt. Etwa eine Million kam aus privaten Spenden. Der Chor des Münsters wurde vor dem Zerfall gerettet, ebenso Westwerk und Turm sowie die südliche Schauseite. Zuletzt war die Nordwand mitsamt Dach an der Reihe, außerdem die farbige Ausgestaltung des Innenraumes. Alles ist fertig – bis auf die Orgel. Der allerletzte Akt des Unternehmens „Rettet das Münster“.
Und der kostet noch einmal insgesamt 166 000 Euro. „76 000 Euro haben der Abbau und die Einlagerung der Orgel gekostet. Die Reparatur und der Wiedereinbau des Instruments verschlingen noch einmal 90 000 Euro“, rechnet der ehemalige Kämmerer der Stadt, Heinz Oberlack, vor. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Bistum Aachen zumindest einen Teil der Kosten tragen wird.
Markus Heim ist ein Glücksfall fürs Münster. Er arbeitet für die Firma Rieger, die 1961 die Orgel baute. „Die Orgelexperten kümmern sich um ihr eigenes Kind“, freut sich Oberlack. „Sie ist bei ihnen in den besten Händen.“ Heim hat die komplette Tontraktur erneuert: „Die alte war total überholt.“ Das gilt auch für die Registermechanik. Die wird gerade auf den neuesten Standard gebracht. Das Mahagoni-Gehäuse der Orgel ist gesäubert und poliert – sieht aus wie neu.
Sobald alle 3500 Pfeifen wieder am richtigen Ort sind, beginnt die Intonisation. „Das ist eine aufwändige Sache“, sagt Heim. „Schließlich soll jeder Ton in jeder Ecke des Raumes gleich gut ankommen.“ Dazu wird ein Fachmann der Firma Rieger auf der Empore arbeiten und die Orgel stimmen, ein Kollege wird derweil durch die Basilika wandern und den Klang prüfen. „Die Akustik ist hier sehr gut“, sagt der Fachmann. „Das freut uns natürlich sehr und erleichtert unsere Arbeit.“ Die wird – so ist der Plan – am 31. Mai abgeschlossen sein.
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