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Kreis Viersen: Ab 2025 Wohnen im Bestand

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.03.2010

Kreis Viersen (RPO). Die Gesellschaft wird älter, und immer weniger Kinder wachsen nach. Schon heute reicht die ausgewiesene Baulandreserve im Kreis Viersen für die Zukunft aus. Viele Bürger werden außerdem in die Ballungszentren ziehen.

Info

Bauen in Zahlen

Wohneinheiten Im Kreisgebiet wurden 1975-1987 jährlich 1250 Wohneinheiten fertiggestellt, 1989-2002 waren es 1800, 2003-2008 nur noch 750.

Geschosswohnung Der Anteil des Geschosswohnungsbaus kletterte seit 2005 von 15 auf inzwischen 41 Prozent.

Die Planungs- und Baubranche steht vor einem gewaltigen Umbruch. Die Nachfrage nach Geschosswohnungen wird spürbar steigen, die nach Einfamilienhäusern dramatisch abnehmen. Und das ist ein Strohfeuer, bereits 2025 droht Stagnation auf dem Neubausektor. Die Gesellschaft richtet sich ab diesem Zeitpunkt darauf ein, im Bestand zu wohnen.

Umweltschützer wird freuen, dass der Flächenfraß in den kommenden Jahren erheblich gebremst werden wird. Aber nicht nur Planer und ausführende Bauunternehmen müssen sich gewaltig umstellen. Auch die Städte müssen den Kampf um jeden Bürger aufnehmen. Diesen Wettbewerb übersteht nur, wer mit einer erstklassigen Infrastruktur aufwarten kann.

Bautätigkeit nimmt ab

Vor dem Ausschuss für Bauen, Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz des Kreistags malte die Leiterin des Kreisplanungsamtes, Christa Eicher ein Bild in düsteren Farben. Der demografische Wandel wird mit wachsender Intensität spürbar. Vor zehn Jahren wurden im Kreisgebiet 1510 Wohnungen fertiggestellt. 2008 waren es nur noch 619. "Seit 2005 stellen wir fest, dass der Geschosswohnungsbau neu belebt wird", erklärte sie.

Nicht nur ältere Menschen, die sich "kleiner setzen" wollen und kurzer Wege wegen in die Ortskerne ziehen, fragen nach barrierefreien Wohnungen. Auch Singles, Alleinerziehende und Kleinfamilien mit niedrigen Einkommen suchen danach. "Für ein attraktives Wohnumfeld wird die Nähe zu Service-Einrichtungen entscheidend sein", sagte Christa Eicher. Zwar wird die Zahl der Haushalte steigen – aber darin leben immer mehr Einzelpersonen – weil Partner gestorben sind, Ehen zerbrechen oder Partner ihr Leben nicht nicht in einer Wohnung miteinander verbringen.

Im Ausschuss entbrannte eine engagierte Diskussion zu Überlebensstrategien von Orten. Hans Kettler (SPD) brachte auf den Punkt, womit der Kreis sich dringend befassen muss: Wohin will er, und wohin soll er steuern? Fritz Meies (CDU) appellierte an den Kreistag, sich der gemeinsamen Verantwortung aller neun Kommunen zu stellen. "Wir können uns konkret in nichts einmischen. Aber wir müssen für gute Rahmenbedingungen sorgen", sagte er. Dietmar Brockes (FDP) warf dem Kreis vor, wichtige Weichenstellungen längst verpasst zu haben. Es sei fahrlässig gewesen, sich nicht um einen Hochschulstandort zu kümmern.

An der Spitze der Entwicklung

Der Kreis müsse sich an die Spitze wichtiger Entwicklungen setzen: Regiobahn, grenzüberschreitende Kontakte, Verständigung mit den Großstädten. Das alles werde passiv oder nicht behandelt. Für Marianne Lipp ist es an der Zeit, "altes Denken" über Bord zu werfen. "Ein tatenloses weiter so wie bisher können wir uns nicht leisten", sagte sie. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP

 
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