Kreis Viersen: Adventszeit – Diebstahlszeit?
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 10.12.2008Kreis Viersen (RPO). Ladendiebstahl hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Bundesweit entsteht so ein Schaden in Höhe von mehreren Milliarden Euro. Die Einzelhändler schützen sich mit Technik und Professionalität, so gut es geht.
Die Kundin an der Kasse wirkte bedrückt. Ihre Mutter sei gestorben, sie habe kurz vorher ein teures Produkt im Geschäft erworben. Leider habe sie den Kassenbon nicht. Aber man müsse doch verstehen, dass sie mit ihrem gut ausgestatteten Haushalt die Ware nicht benötige – ob sie das nie benutzte Teil vielleicht zurückgeben könnte. Die Filialleiterin war dennoch misstrauisch – und tat gut daran. Die Kundin hatte das angeblich von der Mutter geerbte Gut eben erst aus dem Regal genommen und einen dreisten Betrug versucht.
Das Gedränge in vielen Geschäften und generell in den Innenstädten in der Advent- und Weihnachtszeit ist wie geschaffen für Ladendiebe und Trickbetrüger. Sie fügen Einzelhändlern – ob vom Inhaber geführt oder als Kette strukturiert – erhebliche Schäden zu. Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie (globales Dienstleistungsbarometer) kosten Diebstähle den Einzelhandel rund 2,7 Milliarden Euro im Jahr. Jahr für Jahr werden rund 3,5 Millionen Ladendiebe gestellt. 98 Prozent von ihnen sind „Kunden“, der Rest Mitarbeiter.
1,1 Prozent vom Umsatz
Gestohlen werden hauptsächlich Weine und Spirituosen, Damenbekleidung und Parfums, Kosmetika und Rasierklingen, DVDs und CDs. Der Schaden, der aus den vielen kleinen Diebstählen entsteht, wird auf etwa 1,1 Prozent des Gesamtumsatzes geschätzt.
Der Einzelhandel hat sich in den vergangenen Jahren immer intensiver gegen Diebstahl und Betrug abgesichert. „Ich habe sechs Videokameras installiert, die individuell gesteuert werden können. Außerdem habe ich mein Personal geschult“, berichtet der Viersener Juwelier Jo Classen. Der Werbering-Vorsitzende weiß aus Gesprächen mit anderen Einzelhändlern, dass sie ebenso handeln. In diesem Jahr stelle er zwar keine Auffälligkeiten fest, aber die Neigung zum Diebstahl habe in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen.
Hubert Rettler betreibt die Galerie am Viersener Rathausmarkt. Passagen und Einkaufsgalerien gelten wegen der Kundenströme hier als besonders gefährdet. „Ich bin froh, dass hier eine Securitykraft ständig unterwegs und damit sichtbar ist. Das schreckt von vornherein ab“, sagt er. Außerdem setzt Rettler zeitweilig einen Detektiv ein, auch er setzt auf Videoüberwachung und geschultes Personal. Rettler hat beobachtet, dass häufig organisierte Ladendiebe unterwegs sind. „Da kommt erst ein Späher scheinbar ziellos hereingeschlendert, um zu sehen, ob es Ware gibt, deren Diebstahl sich lohnt. Solche Leute machen uns sofort misstrauisch.“
Norbert Backes vom Verein Nettepunkt und vom Werbering in Lobberich weiß Ähnliches zu berichten. „Man kann dagegen etwas durch persönliche Ansprache tun“, sagt er. Dass SB-Läden eher Ziel von Dieben sind, liege auf der Hand. „Wir gehen individuell mit Kunden um, wir beachten sie. Das macht sich bemerkbar.“
Soziale Kontrolle sei alles, fügt er hinzu. Unlängst probierte eine Frau in einem Viersener Schuhgeschäft ihrem Kind neue Schuhe an. Die alten stellte sie ins Regal und ging fort. Eine Kundin beobachtete den Vorfall, sagte aber nichts. Das müsse der Ladenbesitzer selber merken, meinte sie später.
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