Viersen: Ärger ums Alte Waisenhaus
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 26.02.2008Viersen (RPO). Der neue Inhaber des historischen Gebäudes am Eligiusplatz in Dülken ist sauer auf die Stadtverwaltung. Die hat ihm im Sommer 2007 das Haus verkauft. Veranstaltungen sind dort kaum möglich, weil die Stadt sie nicht genehmigt.
Hans-Wilhelm Janissen-Brass ist mächtig sauer: „Immer soll ich für die Stadt die Kohlen aus dem Feuer holen. Und wenn ich das dann getan habe, lässt man mich im Regen stehen“, sagt der Viersener Unternehmer. Er hat bekanntlich mit seinem Partner Horst Dannreuther den Viersener Bahnhof von der Stadt übernommen und will ihn vom Schandfleck zum Schmuckkästchen verwandeln. Das Gleiche plant er mit dem Alten Waisenhaus in Dülken.
Das historische Gebäude am Eligiusplatz hat das Duo Janissen-Brass/Dannreuther im Sommer vergangenen Jahres von der Stadt gekauft. Über den Preis hatten beide Seiten damals Stillschweigen vereinbart. Klar ist aber, dass die Viersener Unternehmer das Haus zu Sonderkonditionen erhalten haben, zumal sie sich verpflichten mussten, die Stadtteilbücherei für Dülken weiterhin im Erdgeschoss zuzulassen.
Plan wird offen gelegt
B-Plan Der Bau- und Planungsausschuss hat das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes für den Bereich Altes Waisenhaus in seiner jüngsten Sitzung auf den Weg gebracht. Der neue Plan wird zunächst zur Einsicht für die Bürger offen gelegt.
Hotel Kernstück ist ein neues kleines Hotel, das Investor Janissen-Brass neben dem Alten Waisenhaus bauen will. Betreiben sollen es die Pächter des Hotels „Hindenburg“ in Süchteln. Sie sollen auch die geplante Gastronomie im Alten Waisenhaus übernehmen. Janissen-Brass ist seit vorigem Jahr Inhaber der „Hindenburg“.
Dülken verpflichtet
Das war auch für die neuen Inhaber kein Problem. Im Gegenteil: „Wir fühlen uns Dülken und den Dülkenern besonders verpflichtet. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir die Bücherei im Alten Waisenhaus belassen“, sagte Janissen-Brass damals. Er und sein Partner wollten das Haus mit neuem Leben erfüllen, planten Gastronomie und mehr. Die Stadt fand Gefallen an den Plänen. Und torpedierte sie zuletzt doch regelmäßig. Janissen-Brass musste einen Anwalt einschalten, um Veranstaltungen, die das städtische Ordnungsamt nicht genehmigen wollte, per einstweiliger Verfügung trotzdem durchführen zu können.
Das Problem: Stadt und Politik müssen erst den gültigen Bebauungsplan für den Bereich des Alten Waisenhauses ändern. Beim Verkaufsabschluss wurde Janissen-Brass unbürokratische Hilfe zugesagt. „Von drei Monaten Dauer war die Rede“, so Janissen-Brass im RP-Gespräch. Der hielt das Zeitfenster damals schon für unrealistisch. Bis heute ist der Bebauungsplan nicht geändert. Solange kann der neue Inhaber das Haus nicht in der von ihm gewünschten Form nutzen.
Ein Highlight für Dülken soll das neue Grammofon-Museum im Alten Waisenhaus werden. Aber auch hier stockt die Realisierung. Die Finanzierung ist durch einen Förderverein, der sich eigens gegründet hat, gesichert. Das Museum soll im ganzen Haus eine Heimstatt finden.
Initiator und Sammler Volkmar Hess ist begeistert. Weniger erfreut sind er und Janissen-Brass, dass die Kellerräume nicht genutzt werden dürfen, weil dort geeignete Fluchtwege fehlen. Solange die Sache nicht geklärt ist, liegen die Museumspläne fürs Alte Waisenhaus auf Eis. Ohne Wissen von Janissen-Brass hat die Stadt Sammler Hess aber schon andere Räume angeboten. Für den hat das Waisenhaus oberste Priorität. „Ich habe kein Interesse an anderen Räumen“, so Hess zur RP. Das Konzept, das Museum in den neuen Gastro-Bereich einzubinden, ist für ihn der Dreh- und Angelpunkt.
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