Viersen: Altes Waisenhaus wird verkauft
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 13.12.2006Viersen (RPO). Der Stadtrat hat gestern Abend in nicht-öffentlicher Sitzung dem Verkauf der Dülkener Versammlungsstätte an die Viersener Investorengruppe Janissen-Brass/Dannreuther zugestimmt. Die Stadtteilbücherei bleibt erhalten.
Es ist eines der wenigen erhaltenen Patrizierhäuser im Dülkener Ortskern. Das Alte Waisenhaus am Eligiusplatz galt in den vergangenen Jahrzehnten vielen Vereinen, Gesangvereinen und Chören als Heimat. Im Großen Saal probt derzeit noch der stimmgewaltige Chor des Orpheums für die Auftritte Anfang des Jahres im Bürgerhaus. Auch das Mandolinenorchester nutzt den Saal für seine Proben. Die Narrenakademie traf sich erst kürzlich im stilvollen Ambiente des Gewölbekellers zu ihrer traditionellen Nikolausfeier und nahm den Dülkener CDU-Ratsherrn Thomas Gütgens als neuen Senator auf.
Das Alte Waisenhaus – Ende der 1970-er Jahre von der Stadt grundsaniert und umgebaut – wechselt nun den Besitzer. Im Zusammenhang mit dem Haushaltskonsolidierungskonzept der Stadt Viersen hat der Rat sich vor gut einem Jahr für den Verkauf des städtischen Gebäudes ausgesprochen, um die laufenden Kosten der Unterhaltung bei den städtischen Gebäuden zu senken.
Altes Waisenhaus
Der Ursprung des Gebäudekomplexes ist unbekannt. Es stammt wohl aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Vorder- und Hinterhaus wurden mehrfach umgebaut. Zwischen 1889 und 1912 wurde das von der Katholischen Kirchengemeinde St. Cornelius gestiftete Gebäude als Waisenhaus, danach überwiegend als Wohnhaus genutzt. 1970 ging das Alte Waisenhaus in den Besitz der Stadt über. Die ließ es von 1978 bis 1980 grundlegend für kulturelle Nutzungen (Bibliothek und Versammlungsstätte) umbauen.
In Dülken gab es nach Bekanntwerden dieses Plans einen Aufschrei der Entrüstung: Etliche Vereine, allen voran das Orpheum, kritisierten die Verkaufsabsicht, weil damit wohl ein lieb gewordener Proben- und Veranstaltungsraum künftig nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Inzwischen hat sich Aufregung etwas gelegt, haben die betroffenen Vereine in Gesprächen mit der Politik die Notwendigkeit des Verkaufs akzeptiert. Die CDU-Fraktion beauftragte gestern die Verwaltung im Stadtrat, die betroffenen Vereine noch einmal an einen Tisch zu holen und mit ihnen über alternative Proben-Möglichkeiten zu sprechen. „Denkbar wären die Schulaula im Städtischen Gymasium oder Räume in der Kreuzherrenschule“, meinte der Dülkener CDU-Bezirkschef Michael Aach im Gespräch mit der Rheinischen Post. Mit der Viersener Aktienbau solle zudem über ein Nutzungskonzept für das Bürgerhaus gesprochen werden. Für Aach ist wichtig, dass die Stadtteilbücherei auch nach dem Verkauf weiterhin ihr Domizil im Alten Waisenhaus haben wird.
Das haben die Investoren zugesichert. Die Stadt wird rund 400 Quadratmeter für die Bücherei von Janissen-Brass/Dannreuther zunächst für die Dauer von drei Jahren anmieten. Die Investoren wollen im Laufe des kommenden Jahres mit den Umbauarbeiten des Komplexes beginnen. Möglicherweise wird ein Steuerberater dort sein Büro eröffnen. „Gespräche in diese Richtung laufen derzeit“, erklärte Hans-Wilhelm Janissen-Brass gegenüber der RP. Ein Ärztehaus – wie in Dülken gerüchteweise zu hören – wird es dort aber definitiv nicht geben. Bis die Bauarbeiten beginnen, könnten die Vereine weiterhin Saal und Gewölbekeller nutzen, so der künftige Eigentümer.
Über den Kaufpreis, den der Investor an die Stadt zahlen muss, ist indes nichts bekannt. Vor zwei Jahren war das Alte Waisenhaus von der Kommunalen Bewertungsstelle der Stadt mit einem Wert von 450 000 Euro geschätzt worden.
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