Schwalmtal: Amelie und der Trick beim Kick
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2011Schwalmtal (RP). Die neun Jahre alte Schwalmtalerin spielt bei Fortuna Dilkrath in einem Jungenteam. Amelie träumt davon, eines Tages bei einer WM dabei zu sein, und übt fleißig Körpertäuschung und Übersteiger.
Den Blick immer auf den Ball gerichtet, läuft Amelie locker über den Kunstrasen. Ihr dunkelblonder Pferdeschwanz schaukelt hin und her, als sie ausholt, das rechte Bein nach vorne schnellen lässt, den Fuß streckt und kraftvoll schießt.
Der Ball fliegt zu ihrem Mannschaftskollegen Matthias. Konzentriert beobachtet Amelie, wie er ihn stoppt und zu Simon weiter passt. Von dort rollt der weiß-schwarze Ball wieder auf sie zu. Sie stellt ihm ihren Fuß in den Weg, lässt ihn mit einem dumpfen Plop vom Innenrist ihrer leuchtend-orangenen Stollenschuhe abprallen und schießt zurück.
Stark zwischen den Jungs
In der Welt der Amelie dreht sich alles um Fußball. Die Neunjährige trainiert zweimal in der Woche in der E-Jugend von Fortuna Dilkrath. Sie ist das einzige Mädchen, doch das stört sie nicht. "Am Anfang haben mich die Jungs nicht ernst genommen. Inzwischen habe ich mich aber durchgesetzt und gehöre dazu." Der Konkurrenzkampf hat sie verändert. "Die Auseinandersetzung mit den Jungs hat Amelie stark gemacht", betont ihr Vater Norbert Bohnen.
Mädchenfußball
Förderung Amelie Bohnen spielt bereits in der Kreisauswahl und hat sich für das Förderzentrum Mönchengladbach qualifizert. Dort schult der Fußballverband Niederrhein talentierte Mädchen mit einem Zusatztraining pro Woche.
Training Bis zu den D-Junioren dürfen Jungen und Mädchen in gemischten Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Anschließend dürfen Mädchen nur noch mit Zustimmung der Eltern gemeinsam mit den Jungs auflaufen.
Er ist der Co-Trainer der Mannschaft und beobachtet seine Tochter genau. "Sie hat Talent, doch wir sehen uns noch nicht in der Bundesliga. Sie soll Zeit haben, sich zu entwickeln." Dem Probetraining bei Borussia Mönchengladbach möchte er daher nicht zu viel Bedeutung geben. "Wir freuen uns über die Einladung, doch Amelie soll vorerst hier bleiben."
Unbeschwert stürmt die Nachwuchsspielerin über den Platz und liefert sich ein Laufduell mit einem ihrer Teamkollegen. Er ist einen halben Kopf größer, hat längere Beine, und es gelingt ihm, die ehrgeizige Amelie abzuschütteln und das Spielgerät zu erobern. Als sie merkt, dass sie keine Chance mehr hat, trudelt sie lachend aus und streicht sich mit der Hand den lockigen Pony aus dem Gesicht.
"Manchmal bin ich aber auch so schnell, dass ich am Abwehrspieler vorbeikomme", sagt die Spielerin aus Schwalmtal. Sie schießt am liebsten Tore. Wie viele sie schon erzielt hat, daran kann sich die Stürmerin allerdings nicht erinnern. "Das habe ich nicht gezählt." Sie träumt davon, irgendwann einmal bei den Weltmeisterschaften aufzulaufen und wie Marta und Inka Grings ins Netz zu treffen.
"Die spielen einfach toll und können viele Tricks." Davon versucht sich Amelie den einen oder anderen abzuschauen, wenn sie vor dem Fernseher sitzt. "Übersteiger, Hackentricks und Körpertäuschung kann ich schon. Von den anderen weiß ich nicht, wie sie heißen", berichtet die Nachwuchsspielerin eifrig.
"Wir machen jetzt mal eine kleine Technikeinheit", ruft Norbert Bohnen seinen Schülern zu. "Jeder schnappt sich einen Ball und versucht, ihn mit beiden Füßen hoch zu halten." Blitzschnell bückt sich Amelie nach dem nächsten Ball und lässt ihn auf dem rechten Spann auftitschen. Das zweite Mal kickt sie ihn mit dem linken Fuß in die Luft. Dann rechts, links, doch beim vierten Mal trifft sie ihn nicht richtig, und der Ball fliegt im hohen Bogen von ihr weg.
Das runde Spielgerät zu beherrschen, hat sie schon als kleines Kind gereizt. "Statt wie andere Mädchen mit Puppen zu spielen, hat sie immer nach dem Ball gegriffen", erinnert sich Norbert Bohnen. Er lässt Amelie zunächst im Garten spielen und nimmt sie als Vierjährige erstmals mit zum Training.
"Sie hat gleich einen Schuss mitten ins Gesicht bekommen, und ich dachte, das war es jetzt. Doch sie hat sich durchgebissen und weitergemacht", erinnert sich ihr Vater, und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Er ist sichtlich stolz auf seine Tochter, will sie aber nicht aus dem Team herausheben. "Sie kann gut mit den Jungs mithalten, doch ich würde nicht sagen, dass sie besser ist", betont er bescheiden.
Aufmerksam beobachtet er, wie Amelie den Ball mit ihren Knien geschickt in der Luft hält. "Ich habe sechs", ruft sie ihm zu. "Ich höre, meine Herren", fordert der Co-Trainer die Jungs heraus. "Ihr könnt das alle." Amelie übt weiter. Neunmal titscht der Ball auf ihren Knien auf, bis er wieder den Boden berührt. Sie hebt ihn auf und lässt ihn nicht aus den Augen, als sie es erneut versucht.
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