Schwalmtal: Artenvielfalt in Hüllen
VON PAUL OFFERMANNS - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010Schwalmtal (RPO). Achim Menzel (45) sammelt Federn von Vögeln. In einem großen Schrank bewahrt der Waldnieler mehr als 10 000 Federn von über 1650 verschiedenen Vogelarten auf. Darunter findet sich auch die einer Waldammer von 1845.
"Als Kind unternahm ich mit meinem Vater gemeinsame Spaziergänge in Wald und Flur. Dabei hob ich schon jede Feder auf und sammelte sie in Kartons. Ich fuhr in Zoos und hielt nach jeder Feder Ausschau. So bekam ich im Laufe der Jahre ein Auge dafür", erzählt Achim Menzel. Jetzt hat er sie in seinem Arbeitszimmer untergebracht. Der 45-Jährige zeigt auf Federn eines Ziegenmelkers: "Die habe ich aus dem Brüggener Depot. Ein Sperber schlug ihn." Er hat das gewöhnliche Spatzengefieder genauso in seiner Sammlung wie das vom Kuckuck oder einer Schwalbe.
Jede Feder hat der Sammler genau lokalisiert nach Herkunft, mit unterschiedlichem Farbbild, Größe und Schwingenformen. Die kleinste Feder stammt von einem Kolibri – drei bis vier Zentimeter –, die größte von einem Argus-Fasan ist 100 Zentimeter lang. Er verwahrt sie in Klarsichthüllen und Karteikästen. Die Hüllen sind mit Tesafilm trocken verschlossen. Mit Uhu Alleskleber Flinke Flasche klebte er die Federn auf: "Die sicherlich wertvollsten Federn, die ich meiner Sammlung habe, sind die einer Waldammer aus dem Jahre 1845 – und aus einem Museum."
Federsammeln
Genehmigung Achim Menzel musste für das Federsammeln eine Ausnahmegenehmigung haben. Alle Vögel und auch Teile davon unterliegen dem Washingtoner Artenschutzabkommen, das auch die BRD unterzeichnet hat. Er dürfte sonst die Federn nicht besitzen, geschweige denn damit Handel treiben.
Haltbarkeit Federn können bei trockener Lagerung und bei entsprechendem Schutz vor Insekten Jahrhunderte überstehen. Sie können so auch noch nach Jahren wissenschaftliche Zwecke erfüllen. Die Federn stellen zudem als DNA-Lieferanten wichtige Informationen zur Art-Erforschung dar.
Wissenschaftliche Auswertung
In der Schulzeit wurde er auf eine Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) aufmerksam. "Sie suchten neue Mitglieder", berichtet der Waldnieler. Einige von ihnen sammelten Greifvogelfedern und werteten sie wissenschaftlich aus. "Das machte ich dann auch für das Waldgebiet Schomm", schildert er. "Ich legte meine erste dokumentierte Federsammlung an." Seit 28 Jahren ist er Briefzusteller der Deutschen Post, doch lieber wollte er beruflich etwas mit Vogelkunde machen: "An einem Museum arbeiten oder Biologie studieren." Anfang der 1990-er Jahre schaltete er eine Anzeige in der Nabu-Zeitung: "Wer sammelt noch Federn?" Es meldeten sich 15 Personen, so kam er in den Kreis der Federsammler, "die in Deutschland wissenschaftlich mit Federn arbeiten". Heute er hat eine große Vergleichssammlung, die behördlich von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Viersen für wissenschaftliche Zwecke genehmigt ist. Über die Bestimmung von Vogelfedern arbeitete er in verschiedenen Fachzeitschriften mit – an Beiträgen mit Forschungsergebnissen anhand von Federbestimmung. Der Waldnieler Sammler erstellte Nahrungsanalysen anhand von Federmaterial im Rahmen von Uhu-Forschungsprogrammen, arbeitet mit Museen und Universitäten in der Vogelforschung zusammen, organisiert Seminare zu federspezifischen und ornithologischen Themen.
"Heute kann ich den Großteil europäischer Vogelarten durch seine Federn bestimmen und helfe öffentlichen Institutionen bei ihrer Arbeit, wie ich ebenso die Artenvielfalt heimischer Vogelarten anhand von Federmaterial bewahre", so Achim Menzel. Er machte seinen eigentlichen Berufswunsch zum Hobby. Federn haben für ihn einen individuellen Wert, der sich rein auf die Arbeit damit bezieht. "Alle Federn in der Sammlung stammen aus Mauser-Material oder von toten Vögeln, die rein zufällig gefunden wurden", verrät er.
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