Viersen: Auf den Biss kommt’s an!
VON JAN JANSEN - zuletzt aktualisiert: 18.08.2006Viersen (RPO). Weil die Lage auf dem Ausbildungsmarkt 2006 besonders schlecht ist, ging die Arbeitsagentur in Betriebe und warb um Ausbildungsplätze. Der Kreis steht vergleichsweise gut da, doch auch hier gibt’s ein Defizit.
Kreis Viersen Eigentlich geht’s dem Kreis Viersen gut. Eigentlich. Nämlich dann, wenn man ins Umland blickt und feststellt, dass dort die Lage auf dem Ausbildungsmarkt weit mieser ist als hier. 1650 junge Menschen suchten kreisweit Ende Juli einen Ausbildungsplatz (fünf Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt), dem standen 1157 gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (0,6 Prozent weniger als im Juli 2005). „Die Schere von Angebot und Nachfrage klafft auch bei uns auseinander“, sagte Landrat Peter Ottmann. So sei in den Metall- und Elektroberufen die Zahl der Ausbildungsplätze um knapp 20 Prozent zurück gegangen. Und doch erhielt Ottmann Aufmunterndes zu hören von Peter Ewert, Chef der Krefelder Arbeitsagentur, die die Seidenstadt und den Kreis Viersen umfasst. „Für den ganzen Bezirk sind die Zahlen noch schlechter als in Viersen.“
40 schwärmten aus
Weil das so ist, sind 40 Mitarbeiter der Arbeitsagentur gestern bereits zum dritten Mal in diesem Jahr in hiesige Betriebe ausgeschwärmt, um zusätzliche Lehrstellen zu werben. Wie viele dabei zusätzlich heraus gesprungen sind, steht erst heute fest. Bei der Elektroanlagen-Firma Göbel in Grefrath warb die Agentur gestern nicht mehr, da die bereits eine Auszubildenden-Quote von fast 20 Prozent hat, von denen auch noch ungewöhnlich viele von der Hauptschule kommen. Der Vorzeigebetrieb diente indes als Ort für die Pressekonferenz, bei der Ottmann, Ewert und Stephan Finger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, für ihre Aktion warben, aber auch nicht die altbekannten Probleme ausklammerten.
Da wären einmal die 52 Prozent „Altbewerber“: Also Ausbildungs-Suchende, die bereits im Vorjahr vergeblich auf einen Platz warteten und noch heute in der Warteschleife hängen und die „Hartz IV-Empfänger von morgen“ zu werden drohen, so Ewert. „Das Problem sind einfach die oft schlechten Bewerbungen. Und viele klammern sich dann an den Strohhalm Handwerk, das aber häufig unterschätzt wird. Das Wichtigste sind nicht gute Schulnoten, sondern Motivation und Biss“, sagte Johannes Hummen, Gesellschafter der Firma Göbel. Finger sekundierte: „Der Umgang mit den Lehrlingen wird von Jahr zu Jahr schwieriger.“ Vielleicht auch deshalb sind noch 30 Ausbildungsplätze im Kreis-Handwerk unbesetzt. Finger hob aber hervor, dass die Handwerker für August bereits 315 Ausbildungsverträge abgeschlossen hätten, nur vier weniger als im Vorjahr.
„Mit dem Aktionstag heute wollen wir zum Endspurt für dieses Ausbildungsjahr aufrufen und gleichzeitig ein Polster schaffen fürs nächste Jahr“, sagte Agenturchef Ewert. Ob’s geklappt hat, wird die heutige Bilanz zeigen.
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