Viersen: Bäcker Polfers gibt komplett auf
VON SVEN DURGUNLAR UND ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 23.07.2008Viersen (RPO). Vor nicht einmal zwei Monaten meldete die Polfers Backwaren GmbH in Lobberich und Hinsbeck Insolvenz an. Jetzt gibt Bäckermeister Heinz-Dieter Polfers auch seine Filialen am Stammsitz in Geldern auf. Ab dem 1. August übernimmt die Bäckerei-Kette Siebrecht die fünf Geschäfte.
Lobberich/hinsbeck Es ist noch keine zwei Monate her, dass die Polfers Backwaren GmbH am Amtsgericht Kleve Insolvenz angemeldet hat. Die vier Verkaufsstellen in Lobberich und Hinsbeck sind seitdem geschlossen. Was aus den Geschäftslokalen wird, ist bis heute unklar. Damals bemühten sich Anwälte, dass die Einzelfirma des Bäckermeisters aus Geldern-Walbeck nicht in den Strudel der Pleite hineingerissen wird.
Das konnte zwar verhindert werden, dennoch werden die fünf Filialen der Bäckerei Polfers im Gelderland ab dem 1. August von der Bäckereikette Siebrecht übernommen. Das bestätigte eine Unternehmenssprecherin. „Wir übernehmen die Filialen der Bäckerei an fünf Standorten“, sagte Siebrecht-Sprecherin Britta Schuster.
Bäckerei Siebrecht
Filialnetz 64 Filialen in 21 Orten am Niederrhein und in Düsseldorf: 35 Mal als Backshop in den Vorkassenzonen von Supermärkten, 29 Cafés in den Fußgängerzonen.
Produktion Zentrale Produktion in Hünxe auf 3200 Quadratmetern Produktions- und Logistikfläche.
Logistik Transport mit 13 eigenen Lkw.
Betroffen sind die Filialen in Geldern-Walbeck, Herongen, Straelen sowie beide Geschäfte in Kevelaer. Die sechste Polfers-Filiale in Straelen wird geschlossen, nachdem der Pachtvertrag ausgelaufen war. „Alle Mitarbeiter werden von uns übernommen“, sagt Schuster. Bereits ab Freitag, 1. August, sollen die Filialen unter dem neuen Besitzer öffnen.
Heinz-Dieter Polfers gibt seine Bäckerei-Filialen nach eigener Aussage aus Krankheitsgründen ab. „Weil wir keinen Nachfolger fanden, haben wir uns entschlossen zu verkaufen“, sagt Polfers. Er wolle den neuen Besitzern aber weiterhin mit Rat zur Seite stehen.
Polfers, der in den vergangenen sechs Jahren mehrfach schwer erkrankt war, hatte nach eigener Aussage als Bedingung für den Verkauf seiner Bäckereien gemacht, dass die insgesamt 29 Mitarbeiter vom neuen Besitzer übernommen werden. „Wir hatten zahlreiche Bewerber, aber nur Siebrecht hat alle Bedingungen erfüllt“, sagt Polfers. Die Verträge sind bereits unter Dach und Fach, gestern sollten die Änderungen mit den Nachbarn abgestimmt werden. Die Walbecker Filiale verpachtet Polfers an Siebrecht, bei den anderen Filialen übernimmt die Bäckerkette die bestehenden Pachtverträge.
„Der jetzige Verkauf der Bäckerei-Filialen hat mit der Aufgabe des Geschäftsteils in Nettetal nichts zu tun“, sagt Heinz-Dieter Polfers. Die unter der GmbH zusammengefassten Filialen in Nettetal waren von der Bäckerei Polfers getrennte Unternehmen. Die vier Geschäfte hatte Polfers im Frühjahr 2007 von seinem Lobbericher Kollegen Hans-Leo Driehsen übernommen. „Das hat sich als Fehleinschätzung herausgestellt“, sagt der 42-Jährige heute.
Das Kreis-Veterinäramt verhängt 2007 ein Betriebsverbot für die Backstube. Die gesetzlichen Auflagen erfordern erhebliche Investitionen von dem Bäcker. Die Gmbh kauft die Waren bei der Einzelfirma Polfers ein – und machte dort rund 100 000 Euro Schulden. Nach dem Insolvenzantrag wurde den 14 Mitarbeitern offiziell gekündigt.
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