Viersen: Bauen mit der Bibel
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 10.10.2008Viersen (RPO). „Die Heilige Schrift kann Spaß machen“ – das ist die Botschaft der ersten Bibeltage der Evangelischen Gemeinde. Die Kinder und Jugendlichen erarbeiten sich die Geschichte von Jona mit Klebstift, Musik und schwarzen Tüchern.
Auf den vier Tischen in der Küche des Jugendheims KÖ an der Königsallee wächst die Stadt Ninive heran. Auf jedem ein anderer Teil. „Das ist der Palast mit einem Turm davor“, erklärt Justin (7) und zeigt auf Wände aus weißer Pappe. Für die Dachschindeln seiner Burg hat er Zacken in die Pappe der Klopapierrolle geschnitten. Am Nachbartisch haben Maike (9) und Fabienne (10) Häuser gefaltet und auf die Pappe geleimt. Dort entstehen die einfacher Hütten der Bürger von Ninive. „Und dadurch führt ein weißer Weg – den müssen wir aber noch machen“, sagt Fabienne.
Obwohl in der Küche der Jugendheims 14 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren arbeiten, geht es überraschend ruhig zu. Dass die biblische Stadt aus der Fantasie der Kinder heraus entstehen soll, ist die Idee von Jugendmitarbeiter Jens Jendral. Die Geschichte von Jona, der nach Ninive reisen soll, um den Bewohnern zu predigen, mit seinem Schiff in einen Sturm gerät und von einem Fisch gefressen wird sei vielen Kindern aus Kindergarten oder Schule ein Begriff. Deshalb hat er sie ausgesucht – als Thema für die allerersten Bibeltage der Evangelischen Kirchengemeinde Viersen.
„Gott . . .
. . . hat die Welt erschaffen und ist ein Mensch, aber irgendwie doch anders.“ (Dominic, 8 Jahre)
. . . ist so ähnlich wie ein Mensch, aber doch eher ein Geist.“ (Justin, 7 Jahre)
. . . hält die Welt in seiner Hand.“ (Kilian, 13 Jahre)
. . . ist ein Geist, der nachts auf uns aufpasst.“ (Maike und Fabienne, 9 und 10 Jahre)
Mit Kopf, Herz und Hand
Im Unterschied zu den Ferienspielen, bei denen es um Themen wie Zauberei oder Piraten geht, steht diesmal bewusst eine biblische Geschichte im Vordergrund. Die sollen die Kinder mit „Kopf, Herz und Hand“ erleben, wie Jendral sagt. Der Gemeindepädagoge liest die Geschichte Stück für Stück vor, so dass die Kinder sie mit dem Verstand fassen können. Die Dunkelheit, die Jona etwa im Bauch des Fisches erlebt, wird mit schwarzen Tüchern dargestellt. „Dann lehnen wir uns zurück und lassen das auf uns wirken“, sagt Jendral. In einer solchen Situation sollen die Kinder mit dem Herz, dem Gefühl, die Geschichte begreifen. Und schließlich basteln sie mit ihren Händen; derzeit die Stadt Ninive. „Man hört immer wieder, die Kinder heute hätten keine eigene Fantasie, weil sie zu viel vorm Fernseher sitzen, aber das hier“ – Jendral lässt seinen Blick über die im Bau befindliche Stadt Ninive schweifen – „kommt fast ganz allein von den Kinder.“ Nur bei den Jüngsten setzen er oder die Helferinnen – Teamerinnen, wie sie in der Gemeinde genannt werden – Swantje Kretschmann (17) und Kerstin Prinzen (16) kleine Impulse.
Wenn die Bibeltage Erfolg haben, sollen sie im nächsten Jahr in den Oster- oder Herbstferien wieder stattfinden. Nach den drei Tagen Jonas-Geschichte gibt es am Sonntag, 12. Oktober, einen abschließenden Gottesdienst um 9.45 Uhr in der Kreuzkirche, zu dem auch Eltern, Freunde und Geschwister eingeladen sind. „Auch für die Älteren gibt es dann noch eine Überraschung“, verspricht Jendral.
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