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Viersen: „Das Maß war einfach voll“

zuletzt aktualisiert: 30.05.2008

Viersen (RPO). Landwirt Markus Windhausen (26) aus Lobberich-Dyck über den derzeitigen Milch-Lieferstopp, blutende Herzen, die Konsequenzen für die Molkereien und die wachsende Solidarität unter den Milchviehhaltern.

Markus Windhausen (re.) bewirtschaftet den Hof in Lobberich-Dyck gemeinsam mit seinem Vater Peter (60). 50 Milchkühe melken die beiden jeden Tag. Die Milch geht aber derzeit nicht an die Molkereien.   Foto: RPO
Markus Windhausen (re.) bewirtschaftet den Hof in Lobberich-Dyck gemeinsam mit seinem Vater Peter (60). 50 Milchkühe melken die beiden jeden Tag. Die Milch geht aber derzeit nicht an die Molkereien. Foto: RPO

Seit wann streiken Sie?

Markus Windhausen Seit Montag. Eigentlich wollten wir in der Nacht von Montag auf Dienstag noch Milch liefern. Dann haben sich die Ereignisse aber überschlagen und wir haben beschlossen, schon in dieser Nacht nicht mehr zu liefern.

Hat sich an Ihrem Arbeitsalltag irgendetwas geändert?

Windhausen Nein, gar nichts. Die Arbeit bleibt die gleiche. Wir müssen die Kühe trotzdem melken.

Was machen Sie mit der Milch?

Windhausen Ein Teil wird an die Kälber verfüttert. Der andere Teil wird vernichtet. Unser Milchtank ist komplett leer. Wenn man da den Hahn aufdreht, kommt nichts mehr raus.

Info

Die Forderungen

Preis Ein Basispreis von mindestens 43 Cent pro Kilo Milch muss umgesetzt werden.

Steuerung Das Angebot an Milch soll flexibel gesteuert werden, damit Übermengen und Verwerfungen vermieden werden können.

Mitglieder Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hat mehr als 30 000 Mitglieder. Mehr als 85 Prozent stimmten vor Wochen für einen Boykott.

Tut Ihnen das nicht weh, die Milch wegzuschütten?

Windhausen Natürlich. Uns blutet das Herz jedes Mal, wenn wir melken.

Beteiligen sich alle Milchviehhalter in Nettetal am Lieferstopp?

Windhausen Vereinzelt gibt es Landwirte, die noch liefern. Aber insgesamt erfahren wir Landwirte mit dem Boykott große Unterstützung. Täglich kommen Landwirte dazu, die sich beteiligen. Selbst Betriebe, die nicht Mitglied im BDM (Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter) sind, machen mit. Und auch Landwirte, die bei der Urabstimmung vor einigen Wochen, noch gegen einen Streik gestimmt haben. Inzwischen beteiligen sich auch die Großbetriebe. Das freut uns natürlich und gibt uns zusätzliche Kraft.

Wie reagieren die Molkereien auf den Lieferstopp?

Windhausen Offiziell heißt es dort, es gebe noch keine Lieferengpässe. Begeistert sind die Molkereien aber nicht. Ich denke auch, dass der Lieferstopp schon recht plötzlich kam. Es ist auch zu lesen, dass die ersten Molkereien bereits dicht machen und die Beschäftigten nach Hause schicken, weil keine Milchreserven mehr vorhanden sind. Und mit dem, was die wenigen Landwirte noch an Milch liefern, werden bald weitere Molkereien Probleme bekommen.

Haben Sie Ihr Ziel damit erreicht?

Windhausen Nein. Unser Ziel ist nicht, dass die Molkereien schließen. Unser Ziel ist ein kostendeckender Preis. Wir haben immer gesagt, dass ein Lieferstopp unser letztes und härtestes Mittel ist. Das hat die Molkereien nie interessiert. Es wurde kein Wert darauf gelegt, uns anzuhören. Wir haben das Gefühl, man hat uns da nicht Ernst genommen.

Bekommen Sie Reaktionen der Bürger?

Windhausen Wir bekommen mit, dass man Verständnis für uns hat. Der Milchpreis lag für uns im April bei 34 Cent. Und ab 40 Cent sprechen wir von einem fairen Milchpreis. Das Maß war einfach voll. Und so eine Chance wie jetzt, bekommen wir vielleicht nie wieder. Wenn wir jetzt kein Mitspracherecht bekommen, dann sind wir weiter nur die Knechte der Molkereien.

Klingt, als ob ein Ende des Boykotts nicht in Sicht sei.

Windhausen Wir treffen uns regelmäßig und besprechen das weitere Vorgehen. Angesichts der Beteiligung der Landwirte wächst aber die Hoffnung, dass es zu einer Einigung kommt.

Wie lange können Sie einen Boykott denn finanziell verkraften?

Windhausen Unsere Kosten laufen natürlich nach wie vor weiter. Wir hoffen aber, dass wir durch einen höheren Milchpreis die Kosten im Nachhinein wieder reinholen können. Außerdem muss man es so sehen: Wenn ein Landwirt einen Lieferstopp keine 14 Tage durchhalten kann, wäre er nächstes Jahr wohl ohnehin kaputt gegangen. Würden wir weiter zu den bisherigen Konditionen liefern, wären es vielleicht zehn Jahre.

Andreas Cüppers führte das Gespräch.

Quelle: RP

 
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