Schwalmtal: Biogas: Jetzt fließt die Wärme
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 18.12.2009Schwalmtal (RPO). Die Biogasanlage im Krinsend ist endlich komplett, der Aufbau des Blockheizkraftwerks abgeschlossen. Mit der Wärme aus der Anlage lässt sich sparen. "Ein Glücksfall für Schwalmtal", urteilt Bürgermeister Reinhold Schulz.
Bürgermeister Reinhold Schulz rieb sich gestern die Hände – nicht vor Kälte, sondern vor Freude über die Inbetriebnahme des Blockheizkraftwerks, das in einem Raum hinter der Turnhalle des Schulzentrums untergebracht ist. "Für uns ist die Anlage ein Glücksfall", lobte Schulz. Er sei stolz, "dass wir Pionier in Sachen zukunftsweisende Energien sein dürfen." Nicht zuletzt werde nun auch die Energieversorgung günstiger: "Pro Jahr spart die Gemeinde Schwalmtal rund 10 000 Euro ein."
Das in der Biogasanlage im Krins-end entstehende Gas, das durch den Vergärungsprozess von Pflanzenteilen und Gülle entsteht, wird über eine 1,6 Kilometer lange Leitung nach Waldniel geleitet – bis zu dem Blockheizkraftwerk hinter der Turnhalle. Das Biogas treibt einen Gasmotor an, dabei wird Strom erzeugt. Dieser Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist, knapp fünf Millionen Kilowattstunden Strom sind das pro Jahr. "So viel, wie etwa 2000 Durchschnittshaushalte verbrauchen würden", sagt Tafil Pufja von den Niederrheinwerken, einer der beiden Geschäftsführer der Biogasanlage Schwalmtal.
Was kommt rein?
Größe Die Biogasanlage steht auf einer Fläche von 1,5 Hektar.
Substrat Für Strom- und Wärmegewinnung werden knapp 20 000 Tonnen Substrat (wie Energiemais, Gülle, Roggen) von Landwirten aus der Region geliefert.
Klima Im Vergleich zum Heizen mit Öl liegt die CO2-Einsparung durch die Biogasanlage bei 3600 Tonnen CO2 im Jahr.
Noch nicht ganz ausgelastet
Als "Abfallprodukt" bei der Stromerzeugung entsteht Wärme. Die wird über eine Nahwärmeleitung an das Schulzentrum, die Seniorenresidenz, das Solarbad, die Grundschule weitergeleitet, auch die GWG-Neubauten an Sechs Linden werden mit der Wärme aus dem Kraftwerk versorgt. Insgesamt, so Fred Heyer von der ReEnergie Niederrhein, zweiter Geschäftsführer der Biogasanlage, ließen sich mit dem Blockheizkraftwerk 3,4 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr erzeugen. "Bislang rechnen wir mit einem Verbrauch von 3,2 Millionen, das wäre eine Auslastung von 75 bis 80 Prozent", so Heyer. Um die Biogasanlage und das angeschlossene Kraftwerk aber voll auszunutzen, strebe man eine Auslastung von 88 Prozent an – weitere Wärmekunden können also noch hinzustoßen. "Mehr als 88 Prozent geht aber nicht", stellt Heyer klar, "schließlich geht bei der Weiterleitung von Wärme diese immer auch ein Stück weit verloren."
Sieben Wochen dauerte der Aufbau des Blockheizkraftwerks, das künftig durch die verantwortliche Firma für Anlagentechnik, Pro2, auch elektronisch überwacht wird. "Etwa alle zwei Monate muss man die Anlage warten", berichtet Vertriebsleiter Markus Grundke. Ansonsten sei das Kraftwerk recht unauffällig "und so leise, dass weder Anwohner noch der Schulunterricht gestört werden."
Das Ziel der Betreiber: ganz Waldniel in naher Zukunft zu einer Gemeinde zu machen, die ausschließlich erneuerbare Energien nutzt. "Da wären wir", sagt Schulz, "einen großen Schritt weiter."
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