Brüggen: Blitz legte in Neubaugebiet Telekom-Anschlüsse lahm
VON GABI LAUE - zuletzt aktualisiert: 26.07.2010Brüggen (RPO). Heute vor zwei Wochen fegte ein Orkan übers Grenzland. Blitze aus schwarzem Mittagshimmel richteten in Häusern im Neubaugebiet Leonhard-Jansen-Straße erhebliche Schäden an. Mehrere Anwohner sind bis heute ohne Telefon- und Internetanschluss. Ihr Ärgernis: Die Telekom gab bei jedem Anruf widersprüchliche Erklärungen ab. Die Bauabteilung sprach von einem "extrem hohen Störaufkommen" – in Brüggen sollen Blitzeinschläge rund 150 Anschlüsse lahmgelegt und 100 Meter DSL-Kabel verschmort haben. "Wir verlieren mittlerweile den Überblick", hieß es in Aachen.
Steckdosen flogen meterweit
Thomas Lillig schrieb am 12. Juli an seinem PC, als ihm ein Stromstoß in den Arm fuhr. "Das tat richtig weh", sagt der Freiberufler, der seither nicht mehr zu Hause arbeiten kann. Seine Nachbarn hat es schlimm getroffen: Ein Blitz schlug in den Dachfirst, sechs Meter Aluband sind geschmolzen, Ziegel zermalmt. Drinnen flogen aus der Wand Steckdosen mitsamt Putz meterweit – der elektrische Wecker blieb um 11.54 Uhr stehen. Carolin Rosumek (13) hatte im Gymnasium Dülken hitzefrei bekommen, der Bus nach Hause blieb für eine halbe Stunde in Born stehen. Die Schülerin sah, wie Bäume reihenweise umkippten. Endlich zu Hause, fuhr ihr der Schreck in die Glieder: Trümmerteile in allen Zimmern, kein Strom, der kleine Hund der Familie kauerte verängstigt in ihrem Bett. Durch die Decke von Bad und Elternschlafzimmer zog sich ein Riss, unterm Dach war eine Glühbirne explodiert. Aus Angst vor Stromschlägen flüchtete das Mädchen aus dem Haus zu Nachbarn.
Blitzableiter haben die Neubauten nicht. "Das sollte Pflicht werden", meint Klaudius Romanek. "Wir haben Glück gehabt, dass unser Haus nicht abgebrannt ist." Seine Frau Eva schaudert bei der Erinnerung an den schwarzen Tag: "Die Kräfte der Natur sind stärker als jede Technik." Nach und nach entdeckte die Familie das Ausmaß der Schäden: Fernseher, SAT-Anlage, Rollladensteuerung, PC und die komplette Heizungsanlage waren defekt, die 400-Volt-Sicherungen und der DSL-Anschluss zerbrochen, Stromleitungen, Telefon und Lampen-Halterungen verschmort. Die Familie ist froh über ihre Hausratversicherung, den Gesamtschaden schätzt sie auf 10 000 Euro.
Tage später haben Elektriker und Dachdecker das Notwendigste repariert, telefonieren können Rosumeks erst am vergangenen Dienstag wieder. Wie Thomas Lillig sind sie Kunde eines anderen Netzanbieters, für den die Telekom nur die Leitungen zur Verfügung stellt. Und bei solchen Privatkunden, so mussten sie hören, kann es "zwei bis drei Wochen dauern". Im Platanenweg um die Ecke waren Telefonanschlüsse immerhin nach vier Tagen wieder hergestellt. Bei Thomas Lillig hören Anrufer nach wie vor: "Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar."
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