Viersen: Bluten für die Stadt
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 23.01.2009Viersen (RPO). Reportage Lobberich ist eine Bank – eine Blutbank. Beim Blutspendetermin stehen die Menschen Schlange. Trotzdem kommen weniger als erwartet. Das macht dem DRK Sorgen.
Lobberich Dieser Stich rettet Leben. Routiniert lässt Sanitäter Klaus Schatzschneider die Kanüle in die Vene gleiten. Schnell füllen sich die zunächst die drei Teströhrchen und schließlich der Plastikbeutel, der von der kleinen Maschine unterhalb der Liege hin und her gewiegt wird. Genau einen halben Liter Blut wird Spender Manfred Bartsch an diesem Tag verlieren. So wie 126 andere, die ebenfalls in die Grundschule Lobberich gekommen sind, um Blut zu spenden. Für das DRK ist Lobberich im doppelten Sinne eine Bank. Traditionell kommen hier viele hin. Allerdings hätte das DRK diesmal mit noch mehr Menschen gerechnet.
Blutspenden
Wer Gesunde Menschen von 18 bis 68 dürfen Blut spenden. Frauen maximal vier Mal, Männer sechs Mal im Jahr. Der empfohlene Abstand liegt bei drei Monaten, damit der Körper neues Blut bildet.
Wo und Wann Der nächste Blutspendetermin ist Montag, 26. Januar, 16 und 20 Uhr im Katholischen Jugendheim Hinsbeck, Wankumer Straße 6.
Wer gespendet hat, kommt wieder
Im Flur der Grundschule stehen die Menschen Schlange, einer nach dem anderen zeigt seinen Spenderausweis vor, der mit einem Handscanner eingelesen wird. Das ist typisch. Jeder, der einen Spenderausweis hat, hat schon einmal gespendet. Und wer gespendet hat, kommt wieder. Neue Gesichter sind selten. Manfred Bartsch spürt die Stiche kaum noch. Der 65-Jährige spendet sein Blut zum 59. Mal. Er liegt in einem Klassenraum zwischen neun anderen Liegen mit Spendern und herumwuselnden Sanitätern. Blutspenden ist für Manfred Bartsch kein selbstloser Akt. "Ich mache das vor allem, weil mein Blut dann jedes Mal durchgecheckt wird", gibt er offen zu. Die Teströhrchen werden im DRK-Labor in Hagen analysiert. Stellt man dort eine Erkrankung fest, wird das dem Hausarzt gemeldet. Und das Blut natürlich nicht verwendet. Selbst, wer Schnupfen hat, kommt als Blutgeber nicht in Frage.
Das wissen erfahrene Spender. Sie bleiben zuhause. Vielleicht sind es deshalb 127 Besucher an diesem Tag, und nicht 145, mit denen das DRK gerechnet hat. Das ist der Durchschnitt der vergangenen Jahre. Thorsten Hermers ist für den DRK-Blutspendedienst West für den Kreis Viersen und Kleve zuständig. Lobberich ist für ihn eine von 275 Aktionen. "Auf dem Land wird immer mehr gespendet als in der Stadt", sagt er. Dort kennen sich die Menschen noch. Die soziale Kontrolle funktioniert. Fragen wie "Warum bist Du gestern nicht bei der Blutspende gewesen?" hört man in Großstädten nicht. Paradoxerweise sind es aber gerade die Großstädte, die die meisten Blutkonserven brauchen. Denn dort befinden sich die meisten Krankenhäuser und Kliniken. 1200 bis 1500 Konserven fordern die pro Tag beim DRK-Blutspendezentrum in Breitscheid an. Ein Bedarf, der laut DRK kaum zu decken ist.
Im Keller der Grundschule sitzen ausschließlich Menschen mit Pflaster am Ohr. An der Wand hängt ein altes Styropor-Schild des DRK Lobberich vom 100. Jubiläum 1989. Darauf Goethes Spruch: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Es gibt Brötchen, Kaffee und Cola. Das Pflaster rührt von dem Test her, den jeder Spender vor der Kanüle über sich ergehen lassen muss. Mit einem Blutstropfen aus dem Ohr messen die Ärzte unter anderem die Anzahl der roten Blutkörperchen. Anschließend geht es zu einem Gespräch, in dem noch einmal der Fragebogen durchgegangen wird. Gab es schwere Operationen? Werden Medikamente eingenommen? Hier unten im Keller wird über andere Dinge gesprochen. Wie war die letzte Geburtstagsfeier? Und: Bist du beim nächsten Mal wieder dabei? Was für eine Frage.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



