Brüggen: Bracht fehlt ein großer Markt
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 15.03.2012Brüggen (RP). Bei einer Info-Veranstaltung des Werberings und der Bürgerinitiative Pro Brüggen zum Einzelhandelskonzept wurde klar: Nicht Brüggen benötigt einen neuen Supermarkt, sondern Bracht. Viele Brachter kaufen auswärts.
Kommunalpolitiker und Einzelhändler vor allem waren der Einladung des Brüggener Werberings und der Bürgerinitiative Pro Brüggen in die "Klimp" gefolgt, um über das kommunale Einzelhandelskonzept zu sprechen. Der Gemeinderat hatte mehrheitlich in der vergangenen Woche einer Überarbeitung des Einzelhandelskonzepts von 2008 zugestimmt, nachdem CDU und Grüne dies beantragt hatten. Eine Überarbeitung etwa alle fünf Jahre sei auch sinnvoll, um auf neue Entwicklungen zu reagieren, erläuterte Andree Haack von der IHK Mittlerer Niederrhein. Er warnte die Zuhörer in der "Klimp" aber auch: "Man muss natürlich darauf achten, dass eine solche Planung nicht nur dazu genutzt wird, um Einzelinteressen durchzusetzen".
Kleine fürs Zentrum
Ein CAP-Markt (Integration durch Einbindung behinderter Menschen), ein Convenience-Markt (sofort verzehrbare Produkte) oder ein Bioladen wurden als Möglichkeiten für Brüggen genannt. Die größte Chance sieht Andree Haack (IHK) im Bio-Bereich.
Neuer Markt wäre für Autokunden
Je kleiner ein Stadtzentrum sei, desto wichtiger sei ein zeitgemäßes Lebensmittelgeschäft als Frequenzbringer. Eben dies ist die Hoffnung des Werberings. Denn nach dem Wegfall von Kaiser's in der Fußgängerzone (dort eröffnet am 26. März der Textildiscounter NKD eine Filiale) fürchten die Einzelhändler ein Ausbluten des Brüggener Ortskerns. Schon jetzt seien Verluste im Mitnahmebereich zu verzeichnen. Haack verwies aber auch darauf, dass sich ein zeitgemäßer Supermarkt im Zentrum nur schwer verwirklichen lasse – weil eine große Verkaufsfläche und viele Parkplätze, die so ein großer Markt braucht, schlicht fehlen.
Dass es Kaiser's in Brüggen nicht mehr gebe, sei traurig, so Haack, aber das rechtfertige nicht die Ansiedlung eines neuen großen Supermarkts. Aus seiner Sicht schon gar nicht an der oberen Borner Straße. "Dort ist keine Wohnbebauung in der Nähe, der Markt wäre rein auf Autokunden ausgerichtet." Man müsse auch fragen, ob Kaiser's in Bracht Bestand habe, und ob die Gemeinde Chancen habe, einen neuen Markt nach Bracht zu bekommen, wenn wenn ein neuer Vollsortimenter in Brüggen errichtet werde. Haacks Fazit: "Ich würde mir eher Gedanken um die Grundversorgung in Bracht machen."
Das bestätigte Matthias Schmitz, Gebietsleiter Expansion bei der Rewe-Group aus Krefeld. Er beleuchtete das Kaufkraftpotenzial beider Gemeindeteile. Für Brüggen errechnete Schmitz – unter Berücksichtigung der Einwohnerzahlen und des Einzugsbereichs – ein Kaufkraftpotenzial von 16,21 Millionen Euro, für den Ortsteil Bracht von 12,57 Millionen Euro.
Ausgehend davon, dass Lidl, Aldi und Rewe in Brüggen rund 20 Millionen Euro Umsatz machen, konnte Schmitz für Brüggen keinen Kaufkraftabfluss feststellen – im Gegenteil. Für Bracht dagegen berechnete Schmitz eine Unterdeckung von 6,4 Millionen Euro. Dort fließt also Kaufkraft ab – viele Brachter kaufen auswärts ein. "Das Problem ist also nicht Brüggen, sondern der Gemeindeteil Bracht", machte Schmitz klar. "Da muss eigentlich ein moderner Markt hin, der die Bevölkerung langfristig versorgen kann." Aus Sicht des Geschäftsmanns sprechen die Zahlen für sich. Auch die Rewe-Group sei "in Bracht unterwegs, aber da sind wir ganz am Anfang".
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