Viersen: Breidenbachs Pedelec-Flotte
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.02.2011Viersen (RPO). Der Viersener Unternehmer hat Mitarbeiter mit Fahrrädern ausgestattet. Sie pendeln auf Elektro-Rädern zwischen Wohnung und Arbeit. Die Firma Claytec hat die Räder vier Jahre geleast – das schont die Umwelt und ist gesund.
Andrea Zohlen strampelt jeden Morgen von Hinsbeck nach Boisheim zur Arbeit und abends zurück. "Man kommt einfach anders an", sagt sie. Wind und Wetter machen der sportlichen Frau nichts aus – im Gegenteil. Jetzt macht ihr die Radelei noch mehr Spaß, denn ihr Chef Peter Breidenbach hat ihr ein rotes Trekkingrad spendiert. Außerdem hat er acht Pedelecs im Viersener Radsporthaus Lankes bei Achim Bungardt geleast.
Pedelecs sind komfortable Elektro-Fahrräder. Breidenbach hat knapp ein Drittel seiner 27 Mitarbeiter, die überwiegend in Viersen am alten Ringofen und in Boisheim bei seiner Firma Claytec beschäftigt sind, überzeugt. Wer ein Rad abnimmt, verpflichtet sich, nur darauf zur Arbeit zu kommen. "20 Tage im Jahr sind frei. An ihnen darf jemand mit dem Auto kommen", erklärt Breidenbach.
Elektro-Räder
Pedelecs ist eine verkürzte Form von Pedal Electric Cycle. Man muss ständig strampeln, hat dabei aber dauernd "Rückenwind". Die mehrgängigen und individuell einstellbaren elektrischen Schiebekräfte bringen es auf maximal 25 km/h. So bestehen weder Versicherungs- noch Helmpflicht. Ein Pedelec kostet etwa 2000 Euro.
E-Bikes oder Speed-Pedelecs sind bis zu 40 km/h schnell, dürfen aber nicht auf Radwegen fahren.
Schwachstelle sind die Akkus, die auf Dauer an Kraft verlieren.
Der umwelt- und gesundheitsbewusste Unternehmer wollte die "tägliche Autoparade" seiner Mitarbeiter reduzieren. Aus politischen Diskussionen um Viersens Verkehrskonzept weiß er, dass etwa 60 Prozent aller Autofahrten in der Kreisstadt innerörtlichen Anlass haben. "Das ließe sich vermeiden, wenn man aufs Rad steigt oder Bus fährt", sagt er. Breidenbach entschied sich fürs Fahrrad: Er stellt den Mitarbeitern die Pedelecs, die mit Ökostrom auf dem Betriebsgelände versorgt werden.
"Die Akkus leisten 70 bis 80 Kilometer Wegstrecke, reichen also für den Berufspendler im Raum Viersen und Nettetal vollkommen aus", erklärt Achim Bungardt. Nach seinen Angaben hängen die Deutschen erstens hinterher und zweitens arg am Auto. "In den Niederlanden ist jedes dritte Fahrrad ein E-Bike, es gibt erhebliche Anreize von Unternehmen."
Entsprechend enttäuscht ist Peter Breidenbach, dass Krankenversicherungen Anfragen nach ein wenig Unterstützung abwimmelten. "Eine Fahrradkarte oder ein gediegenes Schloss wären vollkommen ausreichend gewesen", seufzt der Unternehmer. Die Räder überlässt er den Mitarbeitern auch in der Freizeit, und wenn in vier Jahren der Leasingvertrag endet, gehen die Pedelecs in ihren Besitz über.
Seit August hat Breidenbach zwei Räder im Betrieb zur Probe fahren lassen, gestern wurde die Pedelec-Flotte offiziell übergeben. "Endlich ist der große Tag", stellte ein gewerblicher Mitarbeiter fest, ehe er schwungvoll eine Runde übers Gelände drehte. Auch die Landtagsabgeordnete Martina Maaßen, die bei Claytec betriebliche Sozialarbeit leistet, fährt ein Pedelec. "Das hat sie selbst finanziert", unterstreicht Breidenbach. Vielleicht, so sinnierte er, würden sich bald weitere Mitarbeiter der Idee anschließen. Dass nicht alle mitradeln können, ist ihm verständlich: "Wer als allein erziehendes Elternteil mehrmals in der Woche einkaufen und sich unmittelbar vor oder nach der Arbeit um Kinder kümmern muss, braucht das Auto."
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