Viersen: Bruls setzt alles auf eine Karte
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.12.2008Viersen (RPO). Venlos Bürgermeister Hubert Bruls will Coffeeshops für Ausländer sperren. Haschisch und Marihuana sollen nur noch Niederländer auf Kundenkarte bekommen – maximal fünf Gramm am Tag in allen Coffeeshops.
VENLO/NETTETAL Hubert Bruls hat einen Plan. Der Bürgermeister von Venlo will keine Cannabis-Produkte mehr an ausländische Kunden verkaufen lassen. Nur noch Niederländer sollen in Coffeeshops Haschisch und Marihuana konsumieren dürfen. Bruls plant die Einführung einer Kundenkarte, die in allen Coffeeshops in der Provinz Limburg gültig sein soll. Fünf Gramm maximal täglich, gäbe es auf der Karte, wo auch immer.
Die Idee reifte bei Bruls beim „wiettop“, wörtlich übersetzt „Grasgipfel“. 33 Bürgermeister aus den Niederlanden berieten vor zehn Tagen in Almere, wie sie mit den Coffeshops künftig umgehen. „Ich will nichts legalisieren, halte aber die heutige Regelung in den Niederlanden für sinnvoll. Sie muss aber nicht für Ausländer gelten“, sagt Bruls. In Bergen op Zoom und in Roosendaal wollen seine Kollegen Coffeeshops rigoros schließen.
Drogenmarkt Europa
Wirtschaft Direkte Einnahmen haben die Städte durch Drogentouristen nicht. Nach einer Untersuchung geben in Maastricht 2,1 Mio. „Kunden“ jährlich 119 Mio. aus. In ihrem Sog werden jährlich außerdem 141 Mio. umgesetzt.
EU-Studie Von den 500 Millionen Bewohnern der EU haben 70 Mio. Cannabis schon probiert. 12 Mio. haben Erfahrung mit Kokain, 9,5 Mio mit Ecstasy, 11 Mio. mit Amphetaminen, 1,3 bis 1,7 Mio. mit Opiaten, so der oberste EU-Drogenbeobachter, Wolfgang Götz.
Maastricht ist gescheitert
„Das wird nur die Kriminalität fördern, aber nicht den Absatz von Haschisch und Marihuana senken“, prophezeit Bruls. Seine Idee, Coffeeshops nur für Landsleute zugänglich zu machen, ist nicht neu. Der Maastrichter Bürgermeister Leers hat das bereits versucht. Aber das Maastrichter Gericht kassierte den Plan. „Leers hat Berufung eingelegt, das Verfahren läuft noch“, sagt Bruls.
Natürlich weiß er, dass innerhalb der EU Freizügigkeit gilt. Aber notfalls soll eine gesetzliche Initiative regeln, dass Coffeeshops ausländischen Kunden verschlossen bleiben. Bruls hat sechs Bedingungen formuliert, mit denen er seine Initiative verknüpft. So fordert er Aufklärung und Prophylaxe gegen den Drogenmissbrauch im eigenen Land und wirkungsvolle flankierende Maßnahmen, die Missbrauch der Regelung verhindern. „Und unsere deutschen Nachbarn müssen ebenfalls ihren Beitrag leisten. Cannabis kann man in Deutschland ebenso leicht erhalten wie bei uns.“
Komme er mit seinen Vorstellungen durch, dann werde sich das in aller Konsequenz in Deutschland auswirken. „Im Jahr 2006 besuchten täglich 6000 Kunden die drei Venloer Coffeeshops. 75 Prozent von ihnen waren Ausländer. Unter den 2 Millionen Kunden im Jahr sind 1,5 Millionen Deutsche. Verwehren wir ihnen den Zutritt, werden sie sich irgendwo anders holen, was sie haben wollen – auf deutschen Straßen und in deutschen Hinterzimmern. Das reicht von der Zucht über den Handel bis zum Verkauf und Konsum.“
Dass sein Roermonder Kollege van Beers sich schon ernsthaft mit dem Plan befasst, ist bemerkenswert. Denn die Städte in den Niederlanden führen durchweg ein starkes Einzelleben und pflegen kaum Zusammenarbeit. Bruls hofft, dass andere sich anschließen. „Wenn jemand eine andere, bessere Idee hat, dann bin ich gerne bereit, ihr zu folgen“, sagt er. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES
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